Die Literacy-Erziehung im Kindergarten

Kinder machen schon lange bevor sie lesen und schreiben können ihre ersten Erfahrungen mit Sprache und Schrift. Im Kindergarten können Literacy-Erfahrungen gezielt gefördert und so ein Grundstein für eine erfolgreiche Lese- und Bildungskarriere gelegt werden.

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Im Kindergarten geht es nicht darum, dass die Kinder Buchstaben lesen und schreiben lernen. Vielmehr sollen sie erste lustvolle Erfahrungen mit der Lese-, Erzähl- und Schriftkultur sammeln – etwa durch das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern, das (Nach-)Erzählen von Geschichten und das Schaffen regelmäßiger Sprechanlässe.

Raumgestaltung und Materialien für das freie Spielen und Arbeiten können Literacy-Erfahrungen gezielt anregen und fördern – wie etwa eine Bücher- und Leseecke, eine Schreibwerkstatt mit unterschiedlichsten Schreibutensilien, eine Kiste mit Verkleidungen für Rollenspiele, ein Rucksack voller Gegenstände für das Erfinden und Erzählen von Geschichten etc. 

Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder aus sozial schwachen Familien können zu Hause oft nicht entsprechend gefördert werden. Für Sie hat die Literacy-Erziehung im Kindergarten besondere Bedeutung. Sie ermöglicht Kindern Erfahrungen zu machen, die für die ungestörte Entwicklung von Sprach-, Lese- und Schreibkompetenz sowie die Freude an Sprache und Büchern unerlässlich sind. Schauen wir uns die Ergebnisse der Überprüfung der Bildungsstandards im Fach Deutsch durch das Bifie (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens) an, wird deutlich wie wichtig die Unterstützung dieser Kinder ist – und das von Anfang an!

Literacy-Kompetenzen

Annegret Kieschnick hebt in ihrem Fachtext "Literacy im Kindergarten" drei Literacy-Kompetenzen besonders hervor:

  • Mündliche Sprache 
  • Erfahrungen mit Schrift 
  • Phonologische Bewusstheit 

Im Kindergarten kann die mündliche Sprache vor allem durch das dialogische Vorlesen in Kleingruppen gefördert werden. Ein spielerischer Aufbau phonologischer Bewusstheit – also der Bewusstheit über formale Eigenschaften gesprochener Sprache – kann etwa durch Reimen und Silbenklatschen stattfinden.

(Kieschnick, A. Literacy im Kindergarten. www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_Kieschnick_Literacy_2016.pdf)

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Freies Sprechen und Erzählen:

Anlässe zum freien Sprechen und Erzählen bieten sich im Kindergarten immer wieder. Wichtig ist Kinder zum Sprechen  zu ermutigen – durch Zeigen von Interesse und aufmerksames Zuhören. Ständiges Ausbessern und auf Fehler Aufmerksammachen ist kontraproduktiv. Durch das freie Erzählen werden die kommunikative und soziale Kompetenz gefördert. Sprechanlässe können auch gezielt gesetzt werden - etwa wenn die Kinder im Morgenkreis vom Wochenende erzählen oder sich kreativ mit ihren Medienhelden auseinandersetzen.

Rollenspiele:

Theaterstücke, Puppenspiele, das Nachspielen von Medienerlebnissen und völlig freie Rollenspiele fordern Kinder ganz spielerisch zum Sprechen auf, fördern Empathie und Fantasie und lassen sie Eindrücke aus realer und virtueller Umgebung verarbeiten

Spielerische Auseinandersetzung mit Symbolen und Schrift:

Durch Zeichnen, Kritzeln, Gestalten von Bilderbüchern und Plakaten, Anschauen von Büchern und Zeitschriften, aber auch durch das einfache Beobachten der Erwachsenen beim Erstellen von Notizen lernen Kinder Symbole und Schriftzeichen als Träger von Bedeutung und Information kennen. MeKi bietet mit Foto-Expedition ins Buchstabenland und Schriftzeichen im Internet entdecken Ideen für die Literacy-Erziehung und praktische Medienarbeit an. 

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Webtipps:

Literacy.at ist ein Online-Medium des Bundesministeriums für Bildung, das Forschungsergebnisse, Interviews, Veranstaltungen, Projekte und Medientipps rund um das Themengebiet Literacy sammelt & präsentiert. 

Das Portal KiTa Fachtexte bietet zahlreiche kindheitspädagogische und entwicklungspsychologische Aufsätze von AutorInnen aus Wissenschaft und Fachpraxis zum Downloaden und Lesen an - unter anderem den Fachtext Literacy im Kindergarten von Annegret Kieschnick.

Das Portal der Universität Bremen www.elementargermanistik.uni-bremen.de gibt hochschuldidaktische Impulse zur Entwicklung der Sprach- und Literaturdidaktik in der Elementarbildung - so auch die Handreichung Literacy von Dr. Sven Nickel.

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