Medienerziehung im Kindergarten – aber wie?

Medienerziehung im Kindergarten bedeutet, dass medienpädagogische Themen ganzheitlich in den Kindergarten integriert werden und sich an der Lebenswelt der Kinder orientieren. Dies kann über Gespräche und Projekte mit oder ohne technischen Geräte passieren.

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Prinzipien der Medienerziehung

Medienerziehung ist ganzheitlich

Die Vermittlung der Medienkompetenz findet nicht isoliert, sondern immer in einem ganzheitlichen pädagogischen Kontext statt. So werden gleichzeitig immer auch andere Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder angesprochen und erweitert. Dadurch ist es wichtig, methodisch richtig angelegte Lernprozesse anzubieten und verschiedene Bildungsbereiche zu nutzen. Dadurch wird das Kind beim Erwerb der Sozial-, Selbst-, und Sachkompetenz unterstützt (vgl. Kranzl-Grenecker 2005, S12ff.) . 

Medienerziehung bedeutet situationsorientiertes Lernen und orientiert sich an der Lebensnähe der Kinder

Medienarbeit im Kindergarten soll sich an der Lebenswelt der Kinder orientieren und die Interessen der Kinder aufgreifen und diese zum Ausgangspunkt des pädagogischen Handelns machen. Durch die Nähe und Fassbarkeit sind Kinder motiviert und neugierig. Hierbei muss es sich nicht immer um geplante Angebote handeln, sondern es können auch ungeplante und spontane Lernanlässe geschaffen werden (vgl. Niederle 2007, S18). 

Medienerziehung durch aktives Tun & Spiel

Die Lernform Spiel gibt dem Kind die Möglichkeit sich mit seiner/ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und ist gleichzeitig sehr motivierend. Den Kindern wird dadurch die Möglichkeit geboten, Medienerlebnisse aktiv zu verarbeiten und durch eigenständiges Tun, Ausprobieren und Erleben zu lernen. Die Gestaltung eigener Medienprodukte gibt den Kindern Einblick in die Funktion und Wirkungsweise der Medien und fördert gleichzeitig ihre Kreativität und Fantasie.  Kinder verlassen die Rolle des passiven Medienkonsumenten bzw. der passiven Medienkonsumentin und werden aktive MediengestalterInnen  (vgl. Kranzl-Grenecker 2005, S12ff.) 

Medienerziehung kann individuelle Bildungsprozesse schaffen

Nach dem Prinzip der Differenzierung und Individualisierung ist es mit Medien sehr einfach, abgestimmte Bildungsaktivitäten für Kinder zu gestalten. Eine Differenzierung kann hier in der Komplexität, den Zielen und den genutzten Materialien geschaffen werden. Ebenso kann die Art und Häufigkeit der Hilfestellung der Fachkräfte unterschieden werden. Anhand des Entwicklungsstands des Kindes können geeignete Angebote gesetzt werden (vgl.  Fthenakis 2009, S. 38).

 

Das Video gibt einen Einblick wie (digitale) Medien im Kindergarten-Alltag integriert werden  können: 

Medienerziehung im Kindergartenalltag

Doch wie können die Prinzipien nun im Kindergartenalltag umgesetzt werden?  Medienerziehung kann im Kindergarten vielfältige Formen haben. Es kann offline oder mit digitalen Geräten gearbeitet werden. 

Reflexion durch Gespräche

Das Reden über Medien(inhalte) hat in der Medienerziehung im Kindergarten einen genauso großen Stellenwert wie das Handeln und aktive Gestalten. Das medienkompetente Kind bekommt nicht nur Raum und Zeit, um Erfahrungen mit Medien zu machen, sondern auch um sich mit den damit in Zusammenhang stehenden Emotionen und Medienerlebnissen zu beschäftigen (vgl. Fthenakis 2009, S. 94). Durch das gemeinsame Gespräch werden die Kinder angehalten, Medien und ihre Inhalte und Absichten (wie z.B. Werbung) kritisch zu hinterfragen sowie ihr eigenes Medienverhalten unter die Lupe zu nehmen.

Lernumgebung schaffen 

Es ist wichtig, eine passende Spiel- und Lernumgebung im Raum zu schaffen, damit Kinder Medienerlebnisse nachspielen und verarbeiten können. Dies kann z.B. durch das Bereitstellen von funktionierenden und ausrangierten Geräten passieren. Lernprozesse können auch in Begleitung der PädagogIn im Alltag passieren. Einerseits kann dies durch das gemeinsame Bedienen und Handhaben von Geräten geschehen, andererseits durch geleitetes Spiel. Routineabläufe, wie z.B. das Bedienen einfacher Geräte, können nach und nach von den Kindern übernommen werden. Durch die Handhabung und durch das Lösen von Alltagsproblemen oder Abläufen (z.B. warum hat der CD-Player keinen Strom) entsteht nach und nach ein Verständnis für Medien (vgl. Fthenakis 2009, S. 94).

Medienprojekte

Projekte sind im Vergleich zu Alltagshandlungen stärker strukturiert und beinhalten eine gezielte Problemstellung oder Aufgabe, welche gelöst werden soll (z.B. Stopp-Trick-Film, Stromkreis-Experimente usw.). Hierbei kann der Zweck von Medien und die kreative Handhabung vermittelt werden. Außerdem werden praktische Kompetenzen bei der Handhabung erworben (Fthenakis 2009, S. 94). Die Bedienung der technischen Geräte kann entweder vorab eingeführt werden oder Teil des Projekts selbst sein. Medienprojekte können offline oder mit digitalen Geräten passieren. Ideen zu kleineren oder größeren Projekten finden Sie unter Medienpraxis.

Medienerziehung und Elternarbeit 

Ein wichtiger Aspekt der Medienerziehung im Elementarbereich ist die Elternarbeit. Hier geht es einerseits darum, Eltern die Wichtigkeit früher Medienbildung nahezubringen und andererseits diese in der Medienerziehung ihrer Kinder zu unterstützen und zu begleiten. Im gemeinsamen Gespräch können Fragen geklärt und Ängste genommen werden. Dies kann durch themenbezogene Elternabende, Präsentationen der kindlichen Medienprodukte sowie Einbeziehen der Eltern in die Medienarbeit des Kindergartens stattfinden.

Mehr Ideen wie diese Punkte umgesetzt werden können finden Sie unter dem Punkt Medienpraxis. Dort finden Sie viele Praxisideen zu unterschiedlichen Themen und Materialien.

Medienerziehung im Kindergarten umfasst unter anderem das:

  • Reflektieren und Verarbeiten von Medienerlebnissen
  • Analysieren und kritische Durchleuchten von Medieninhalten (z.B. Serien, Werbung etc.)
  • Nutzen von Medien zur Entspannung und Unterhaltung
  • Verwenden von Medien als Ausdrucksmittel
  • Heranziehen von Medien als Werkzeuge zum kreativen Gestalten eigener Produkte und Verwirklichen eigener Ideen
  • Erfahrbarmachen von Medien als Informationsquellen, aus denen Wissen geschöpft werden kann (zB Bücher, Internet, Wissenssendungen etc.) und als Mittel zur Unterstützung des spielerischen Lernens
  • Erlebbarmachen von Medien als Kommunikationsmittel, die ein vielfältiges in Kontakt treten mit anderen Menschen erlauben (zB Flaschenpost, Mobiltelefone, Internet etc.)

Literatur

Fthenakis, Wassilios E. (Hrsg.) (2009): Natur-Wissen schaffen. Band5: Frühe Medienbildung. Bildungsverlag EINS

Niederle, Charlotte; Michelic, Elisabeth; Lenzeder, Friederike (2007): Bildung und Erziehung im Kindergarten. Bildungs- und Erziehungsziele. Methodische Hinweise. Praktische Anregungen. Westermann Wien

Kranzl-Grenecker, Martin (2005): EntwicklungsRaum Kindergarten. Methoden des Kindergartens 2. Verlag der Fachzeitrschrift Unsere Kinder.

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