Sprachförderung mit digitalen Medien

Kompaktes Basiswissen für eine zeitgemäße Sprachförderung

Ob Tablets, Sprachassistenten oder digitale Bilderbücher – digitale Medien sind aus der Lebenswelt von Kindern nicht mehr wegzudenken und bringen immer auch sprachliche Reize mit sich. Für Pädagog:innen eröffnet sich dadurch eine wichtige Chance: Anstatt digitale Medien als Konkurrenz zur analogen Sprachförderung zu sehen, können sie bewusst als Werkzeug eingesetzt werden, um Sprachentwicklung, Kommunikation und Medienkompetenz miteinander zu verbinden.

Sprachliche Reize im Medienalltag nutzen

Digitale Medien vermitteln ständig Sprache, zum Beispiel durch Filme, Serien oder Hörbücher. Für eine gelungene Sprachförderung mit digitalen Medien ist es allerdings wichtig, zwischen passiver und aktiver Mediennutzung zu unterscheiden. Wenn Kinder zum Beispiel nur vor dem Fernseher sitzen und eine Serie anschauen, nehmen sie Sprache zwar wahr, sind aber eher passive Zuhörer:innen.

Damit Sprache jedoch nachhaltig verarbeitet und gelernt werden kann, ist die aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten entscheidend. Besonders bei jüngeren Kindern ist dabei die Begleitung durch Erwachsene wichtig. Durch gemeinsames Anschauen, Pausieren, Nachfragen und das Besprechen bestimmter Wörter oder Inhalte kann der Medienkonsum genutzt werden, um Sprache gezielt zu fördern. Denn ohne Begleitung kann keine Sprachförderung stattfinden (Reber & Wildegger-Lack, S. 28). Mit zunehmendem Alter wird neben der Begleitung vor allem die eigenständige und aktive Auseinandersetzung mit digitalen Medien wichtiger, um sprachliche Lernprozesse anzuregen und zu unterstützen. 

Aktive Medienbildung als Schlüssel zur Sprachförderung

Im Kindergarten ist es eine zentrale Aufgabe, Kinder aus dem passiven Medienkonsum herauszuholen und sie zu aktiven, kritischen Gestaltenden zu machen. Dieser medienpädagogische Ansatz lässt sich auch mit einer pädagogisch wertvollen Sprachförderung vereinen. Dass beide Bereiche Schlüsselaufgaben der elementarpädagogischen Bildung sind, spiegelt sich auch in den aktuellen Bildungsplänen wider. 

Obwohl Sprachförderung und Medienbildung in den Lehr- und Bildungsplänen bisher meist als eigenständige Einzelbereiche verankert sind, verfolgen sie dieselben Grundziele: Sie sollen als alltagsnahe Bildungsaufgaben die individuellen Voraussetzungen der Kinder berücksichtigen sowie deren Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe fördern (Bildungsplan der Stadt Wien 2019, Bildungsrahmenplan 2009). 

Pädagogische Prinzipien für Sprachförderung mit digitalen Medien

Damit die Verknüpfung von digitalen Medien und Sprachförderung gelingt, stehen grundlegende pädagogische Prinzipien im Vordergrund. 

Digitale Medien bieten dann einen pädagogischen Mehrwert für die Sprachförderung, wenn sie

  • begleitet, 
  • aktiv, 
  • wiederholend und 
  • individuell angepasst eingesetzt werden.

Entscheidend ist dabei nicht das digitale Medium selbst, sondern die Art und Weise, wie es in den sprachlichen Lernprozess eingebunden wird.

Beim Einsatz von digitalen Medien in der Sprachförderung gilt: Digitale Medien sind ein unterstützendes Werkzeug für die Sprachförderung und Kreativität. Sie dienen immer nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für haptische und soziale Erfahrungen. 

Daher sollte Sprachförderung mit digitalen Medien vor allem bei Kindern immer in Begleitung stattfinden. Für eine wirksame Sprachförderung ist die aktive Nutzung entscheidend. Kinder sollen mit digitalen Medien nicht konsumieren, sondern selbst sprechen, erzählen, aufnehmen und Inhalte gestalten. 

Darüber hinaus sollen digitale Medien das Ursache-Wirkungs-Prinzip erfahrbar machen. Wenn ein Kind beispielsweise einen Knopf drückt und daraufhin die eigene Stimme aufgenommen oder wiedergegeben wird, wird ein Zusammenhang zwischen der eigenen Handlung und deren Wirkung erkennbar. Dadurch wird auch die Selbstwirksamkeit gestärkt, was eine Grundkompetenz für erfolgreiche Sprachlernprozesse darstellt.

Auch die Möglichkeit, sprachliche Inhalte beliebig oft zu wiederholen, stellt einen wichtigen Vorteil digitaler Medien dar. Wörter, Laute oder sprachliche Äußerungen können mehrmals angehört, nachgesprochen und aufgenommen werden. Dadurch können Kinder sprachliche Inhalte besser festigen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die individuelle und inklusive Gestaltung der Sprachförderung. Digitale Medien ermöglichen es, Inhalte an das Sprachniveau, die Interessen und das Lerntempo der Kinder anzupassen. Dadurch können unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen sowie die unterschiedlichen Erstsprachen berücksichtigt und allen Kindern individuelle Zugänge zu sprachlichen Lernangeboten ermöglicht werden.

Didaktische Umsetzungsmöglichkeiten

Altersangepasst in Begleitung und mit Fokus auf eine aktive und inklusive Nutzung, können digitale Medien für die Sprachförderung vielfältige didaktische Möglichkeiten eröffnen:

  • Geräusche wahrnehmen und zuordnen: Kinder können Geräusche aus ihrer Umgebung anhören, erkennen und verschiedenen Gegenständen oder Situationen zuordnen. Anschließend können sie Geräusche selbst nachahmen oder ihre Stimme aufnehmen. So werden auditive Wahrnehmung, Wortschatz und sprachlicher Ausdruck gefördert.
  • Über Medienerlebnisse sprechen: Um die Motivation der Kinder zu wecken, lohnt es sich, ihre aktuellen Interessen aufzugreifen. Dabei spielen auch Inhalte aus digitalen Medien eine Rolle. Wenn vertraute Figuren aus Lieblingsserien oder -büchern (sogenannte Medienheld:innen) oder Influencer:innen als Aufhänger dienen, entstehen Gesprächsanlässe, die direkt mit der Lebenswelt und den Interessen der Kinder zu tun haben. Diese Gesprächsanlässe können auch helfen, Medienerlebnisse zu verarbeiten. Einige Praxis-Ideen zu den Medienheld:innen der Kinder gibt es hier. 
  • Die eigene Stimme entdecken: Durch Sprachaufnahmen können Kinder ihre eigene Stimme kennenlernen, Laute und Wörter wiederholen und ihren sprachlichen Ausdruck bewusster wahrnehmen. 
  • Kommunikation und kreativer Ausdruck: Kinder können Bilder vertonen, Geschichten erzählen, Interviews führen oder Geräusche aufnehmen. Auch der Einsatz von besprechbaren Stiften oder das nachträgliche Vertonen eines analogen Bilderbuchs kann den sprachlichen Input auditiv erweitern. Daraus können Hörspiele, Podcasts, digitale Geschichten oder Erklärvideos entstehen. Dabei stehen Planung, Sprechen und Gestalten im Vordergrund. 
  • Radio- und Medienprojekte: Sind die Kinder schon mit Sprachaufnahmen vertraut, können auch kleine Radio- und Medienprojekte gemacht werden. Das bietet zahlreiche Sprechanlässe. Kinder können Interviews führen, Geschichten vorlesen oder über Erlebnisse berichten. Dadurch werden Sprache, Zusammenarbeit, Medienkompetenz und Selbstwirksamkeit miteinander verbunden. Tipp: Für die Radioprojekte und Audioexperimente eignet sich die Digibox “Audio gestalten” sehr gut, die kostenlos ausgeborgt werden kann.
  • Vorlesen, Lesen und Mehrsprachigkeit:Digitale Bilderbücher, Hörbücher und interaktive Geschichten können die Sprach- und Leseförderung ergänzen. Mehrsprachige Angebote ermöglichen es zudem, Erstsprachen einzubeziehen, Wörter zu vergleichen und sprachliche Vielfalt als Ressource zu nutzen.
  • Orientierung und Unterstützung: Sprachaufnahmen oder digitale Anweisungen (z.B. durch digitale Kommunikationstafeln) können Kindern helfen, Tagesabläufe und Aufgaben besser zu verstehen. Besonders bei unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen bieten digitale Medien zusätzliche Unterstützung für das Sprachverständnis und ermöglichen teilweise selbstständiges Arbeiten.
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