Die MedienheldInnen der Kinder

Welche Bedeutung haben Medienhelden und -heldinnen für Kinder? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Und wie haben sich die Vorlieben im Laufe der Zeit gewandelt?

Figuren in Kindersendungen vermitteln in sehr vereinfachter Form Geschichten, Handlungsmuster und soziale Rollen. Sie bleiben in ihren Meinungen und Charaktereigenschaften immer gleich und geben damit Orientierung (vgl. Medienführerschein Bayern 2009, S. 3ff).

MedienheldInnen bieten Orientierung

Unterschiedliche Entwicklungsaufgaben stellen für Kinder Herausforderungen dar und sie suchen dafür Orientierung und Unterstützung im Umfeld (Familie, Pädagogische Fachkraft, Gleichaltrige) oder eben auch in Medien.  "Für Kinder ist es interessant, Figuren bei solchen Tätigkeiten zu beobachten, bei denen sie selbst noch Schwierigkeiten haben oder die sie erst kürzlich gelernt haben" (Medienführerschein Bayern 2009, S. 6).

Diese Entwicklungsaufgaben reichen von der sensomotorischen Intelligenz, kommunikativen Fähigkeiten in den ersten Lebensjahren, über Sprachentwicklung und Geschlechterrollenidentifikation bis zur moralischen Entwicklung im Primarstufenalter (vgl. Medienführerschein Bayern 2009, S. 6ff).

MedienheldInnen sind Identifikationsfiguren

Medienhelden und -heldinnen sind starke Identifikationsfiguren der Kinder, auf die sie eigene Wünsche, Träume und Ängste projizieren. Sie können den Kindern helfen Konflikte und belastende Themen aufzuarbeiten und ihnen Sicherheit geben (vgl. Medienführerschein Bayern 2009, S. 7 ff.). Lernen wir die persönlichen Lieblingsfiguren der Kinder kennen, erfahren wir gleichzeitig auch etwas über das Kind selbst: Welche Themen beschäftigen es, welche Ängste, Interessen und Vorbilder hat es und wohin möchte es sich entwickeln.

Eine offene und wertfreie Haltung gegenüber den Medienvorlieben der Kinder sowie das Zeigen echten Interesses sind daher unerlässlich. Zudem bietet das Thema eine Möglichkeit für die Kinder eigene Medienerlebnisse emotional und verbal zu verarbeiten. Außerdem können dadurch Medienbotschaften durchschaut und kritisch reflektiert werden. 

Das ideale Medienvorbild

Welche Figuren besonders beliebt sind, unterscheidet sich von den aktuellen Themen des einzelnen Kindes. Dadurch können Identifikationsfiguren, die Superkräfte besitzen und unfehlbar sind, aber auch weniger perfekte Charaktere, die tollpatschig oder chaotisch sind, beliebt sein. Flimmo (2018) hat in einer Kinderbefragung Charaktereigenschaften der Medienhelden und -heldinnen herausgearbeitet. So sind bei Kindern einmal mehr Motive wie "RetterInnen und HelferInnen" wie Feuerwehrmann Sam beliebt, manchmal eher tapfere KämpferInnen. Ebenso ist das Motiv "Freundschaft" oftmals präsent (vgl. Flimmo 2018, S. 5ff). 

"Die Fantasie, durch Superkräfte oder magische Ausrüstung endlich mal 'der Stärkere' zu sein, treibt viele Jungen im Vor- und später auch im Grundschulalter um." (Flimmo 2018, S.6). Neben magischen Abenteuern, bei denen Kinder sich unterschiedliche Fähigkeiten vorstellen können, sind aber auch alltagsnahe Themen wie z.B. die erste Übernachtung bei einem/r FreundIn zentral. Sie verknüpfen die Serie mit dem eigenen Alltag und geben auch an daraus etwas zu lernen. (vgl. Flimmo 2018, S. 7ff). Ebenso spielt das Motiv "Klein gegen Groß" eine zentrale Rolle: "Kindergarten- und Vorschulkinder sind oft 'die Kleinen' und fühlen sich nicht ernst genommen. Deshalb machen ihnen kleine Figuren besonderen Spaß, wenn sie den Größeren eins auswischen." (Flimmo 2018, S.8)

MedienheldInnen vermitteln Geschlechterrollen

Kindersendungen sind geschlechtsspezifisch ausgerichtet. Insgesamt sind Mädchen/Frauen seltener in Kindersendungen zu finden und werden nicht so vielfältig wie männliche Figuren dargestellt. Die weiblichen Figuren sind oftmals jünger und sexualisierter dargestellt. Viel seltener ist ein Bild von starken weiblichen Figuren zu finden. Einige wenige Figuren, wie z.B. das Kikaninchen und die Maus aus der Sendung mit der Maus, lassen sich keinem Geschlecht zuordnen (vgl. Medienführerschein Bayern 2009, S. 12f.). Da Medien eine sozialisierende Funktion haben, beeinflusst dies auch das Geschlechterbild langfristig. Daher ist es wichtig, als PädagogIn den Einfluss dieser Identifikationsfiguren auf die Kinder zu beobachten: Wie wirkt sich dieser auf deren Entwicklung aus? Wo schränkt er sie eher ein, wo wirkt er sich positiv aus?

MedienheldInnen & Werbung

Viele Sendungen, die wir Erwachsenen noch aus unserer Kindheit kennen, flimmern auch heute noch über den Bildschirm - nicht selten entsprechend adaptiert bzw. computeranimiert und einige sind neu hinzugekommen.  Wie oben bereits erwähnt, bieten Medienhelden und -heldinnen Kindern Orientierung und Begleitung, dadurch ändern sich diese in den ersten Lebensjahren häufiger. Medienvorbilder haben zudem auch im Kindergarten eine wichtige Rolle. Kinder sprechen im Kindergarten über Medieninhalte und schaffen dadurch gemeinsame Interessen und Freundschaften. Außerdem wird auch der Status in der Gruppe dadurch beeinflusst.

MedienheldInnen sind jedoch nicht nur im Fernsehen zu finden, sondern auch als Merchandising Produkte (wie z.B. T-shits, Kuscheltiere usw.). Crossmediale Angebote (z.B. Bücher zum Film) gab es immer schon, der Markt wurde jedoch zunehmend ausgebaut. Kinder und ihr Einfluss auf die Kaufentscheidung der Eltern sind nun im Fokus und es wird versucht Kinder durch Werbung gezielt zu beeinflussen. Diese können jedoch nocht nicht Werbung von Kindersendungen unterscheiden, da diese gleich aufgebaut sind (vgl. Marci-Boehncke 2009,S. 38ff.). Das stellt uns vor eine neue Herausforderung: Kinder müssen Werbung durchschauen und ihre Funktion und Strategien verstehen lernen, um dieser Flut an Produkten selbstbestimmt begegnen zu können.

Was bedeutet das für die Medienerziehung im Kindergarten?

  • Greifen Sie Themen, die die Kinder besonders beschäftigen auf und bearbeiten Sie diese gemeinsam mit den Kindern. Bleiben Sie mit den Kindern im Gespräch, bieten Sie Möglichkeiten der Verarbeitung von Medienerlebnissen an und unterstützen Sie sie so bei ihrer Beschäftigung mit wichtigen Entwicklungsaufgaben.
  • Machen Sie MedienheldInnen zum Thema! Regen Sie die Kinder an über ihre persönlichen Medienvorbilder zu sprechen, sie zu zeichnen, zu basteln oder als Protagonisten in einem Spiel oder einem kurzen Videoclip auftreten zu lassen.
  • Bearbeiten Sie gemeinsam mit den Kindern das Thema Werbung – im Fernsehen, im Radio, in Zeitschriften, auf Plakaten, im Internet sowie in Form von Merchandising-Produkten. Kinder müssen lernen, Werbung und ihre Absichten zu erkennen.

Literatur

Flimmo Kinderbefragung (2018): Erste Medienhelden. Gruppenerhebung und Einzelinterviews mit Drei- und Sechsjährigen. https://www.flimmo.de/fileadmin/Content/Dowloads/befragungen/Bericht__Befragung_Kindergarten_2017.pdf  (abgerufen am 01.02.2021)

Marci-Boehncke, Gudrun (2009). "Hallo, SpongeBob!" oder Kindliche Mediennutzung im Medienverbund. S.37-49 In: Lauffer, Jürgen; Röllecke, Renate (Hrsg.) (2009): Kinder im Blick. Medienkompetenz statt Medienabstinenz. Dieter Baacke Preis Handbuch 4. Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur. Bielefeld.

Medienführerschein Bayern (2019): So stark, so schlau, so witzig – Medienhelden unter die Lupe nehmen und einordnen. Stiftung Medienpädagogik Bayern. https://www.medienfuehrerschein.bayern/mediabase/pdf/Medienhelden_modul_131.pdf (abgerufen am 01.02.2021)

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