Sprachförderung mit dem Bee-Bot
Programmieren trifft Sprachförderung: Wie der Bee-Bot Sprache fördern kann
Sprachförderung gelingt dort am besten, wo Kinder aktiv handeln, entdecken und miteinander kommunizieren. Ganzheitliches Lernen bedeutet im Elementar- und Primarbereich nicht, passiv vor einem Bildschirm zu sitzen, sondern im aktiven Tun zu lernen.
Dabei spielt das multisensorische Lernen und das Wiederholen eine wichtige Rolle. Die Arbeit mit dem Bee-Bot verbindet hier das visuelle (Sehen), auditive (Hören) und kinästhetische (Spüren, Fühlen) Handeln.
Außerdem steht bei Aktivitäten mit dem Bee-Bot die soziale Interaktion im Vordergrund. Das gemeinsame Planen von Wegen, Lösen von Aufgaben und Korrigieren von Fehlern macht Sprache zum zentralen Mittel der Verständigung.
Der Lernroboter dient als Motivation und fördert sowohl die Sprache als auch das Computational Thinking. Er ist Gesprächsanlass, nimmt Kindern die Angst vor Fehlern, vermindert Hürden beim Sprechen und wandelt abstrakte Sprachkonzepte in greifbare Realität um.
Wie funktioniert der Bee-Bot?
Der Bee-Bot ist ein robuster, bienenförmiger Bodenroboter, der über Tasten auf seinem Rücken programmiert wird (Vorwärts, Rückwärts, 90°-Drehung links/rechts, Pause, Löschen, Go). Ein Schritt entspricht exakt 15 cm.
Beim Programmieren des Bee-Bots schulen die Kinder spielerisch ihr vorausschauendes Denken, ihr logisches Text- und Raumverständnis sowie das strukturierte Zerlegen von Handlungen in einzelne Anweisungsschritte. Der Bee-Bot kann am Boden oder auf verschiedenen Matten fahren.
Der Einsatz des Bee-Bots folgt einer wiederkehrenden Grundstruktur, bei der der Roboter von einem vordefinierten Start- zum Zielpunkt fährt. Das Start- und das Zielfeld werden von der pädagogischen Fachkraft, den Kindern oder durch Aufgabenkarten festgelegt. Den Weg dazwischen wählen die Kinder selbst – dabei gibt es kein Richtig oder Falsch.
Einstieg ins Programmieren
Für komplexere Bildungsangebote mit dem Bee-Bot ist es wichtig, dass die Kinder zuerst mit der Steuerung und den grundlegenden Funktionen des Roboters vertraut sind.
Für den Einstieg in das Arbeiten mit dem Roboter eignet sich eine Mischung aus entdeckendem Lernen und Angeboten in Kleingruppen. Hier geht es darum, die Kinder mit den Befehlstasten und den Funktionen des Roboters vertraut zu machen.
Zu Beginn wird mit einzelnen Befehlen gearbeitet, um das Ziel zu erreichen. Nach und nach werden Befehlsfolgen aus mehreren Schritten programmiert. Langfristiges Ziel ist es, dass die Kinder den gesamten Weg vorausplanen und auf einmal eingeben.
Wenn alle Funktionen erarbeitet worden sind, können verschiedene Matten, Bildkarten, Aufgabenstellungen und unterschiedliche Angebote im Bereich Kreativität, Storytelling oder selbstständiges Arbeiten mit Parcoursvorlagen in den Alltag integriert werden.
Mehr Hintergrundinformationen und Ideen zum Einsatz vom Bee-Bot im Kindergarten sind hier zu finden.
Vertiefende Programmier-Aufgaben
Um den Einsatz des Bee-Bots auch langfristig spannend und herausfordernd zu gestalten, können die Aufgabenstellungen variiert werden.
Dies gelingt beispielsweise durch das Einbauen von Hindernissen, das gezielte Einschränken bestimmter Steuerungsbefehle, die feste Vorgabe von Start- und Endzielen sowie durch integrierte Rätsel und Quizfragen.
Fertige Parcoursvorlagen oder Beispiel-Aufgabenkarten sind hier am Medienkindergarten zu finden.
Sprachförderziele mit dem Bee-Bot
Durch die vielfältigen Materialien und methodischen Einsatzmöglichkeiten eignet sich der Bee-Bot sehr gut zur Förderung/Festigung von Erst- und Zweitsprachen (für DaF/DaZ, Fremdsprachen) und unterstützt die phonologische Bewusstheit.
- Wortschatz & Daf/DaZ & Fremdsprachenlernen
Gezielte Wortschatzerweiterung, Begriffe (inkl. Oberbegriffe) verstehen und aktiv nutzen – insbesondere Raum-Lage-Bezüge (links, vor, zwischen), informatische Fachbegriffe (programmieren, starten). - Lesekompetenz & Schriftspracherwerb
Sinnerfassendes Lesen von Wörtern/Texten und Festigung der Wortbild-Bedeutungs-Zuordnung (Sichtwortschatz). Anlaute, Silben und Reime auditiv und visuell erkennen. - Grammatik & Sprachbetrachtung
Wortarten bestimmen und verändern (Plural, Antonyme) sowie Rechtschreibphänomene (Lernwörter, Auslautverhärtung, Doppelkonsonanten) gezielt üben. - Erzählfähigkeit & Storytelling
Eigene Handlungen sprachlich begleiten, präzise Anweisungen formulieren („Fahre zwei Felder nach vorne…“), Leseaufträge umsetzen und Geschichten strukturiert nacherzählen oder eigene erfinden. Chronologische Handlungsabläufe verstehen und wiedergeben.
Ideen für die Bildungsarbeit
Sprachförderliche Angebote mit dem Bee-Bot sollten daher die sprachliche Begleitung und auch den Einsatz von Bildkarten im Fokus haben. Ziel dabei ist:
- Aufbau des rezeptiven Wortschatzes (Verstehen & Hören): Verstehen und Umsetzen von Anweisungen, Verbindung von Gesprochenem und Bild
- Aufbau des produktiven Wortschatzes (Sprechen): Zielbegriffe aktiv benennen bzw. vorlesen; Handlung bzw. Weg verbalisieren, Lösungswege und eigene Schritte verständlich in Worte fassen
Hier sind die wichtigsten Funktionen, Methoden und Praxisbeispiele um diese Ziele zu erreichen:
Sprachliche Begleitung
- Aufnahmefunktion: Alle Bee-Bot-Modelle ab BB3 verfügen über eine Aufnahmefunktion von 5 Sekunden für die einzelnen Tasten. Diese Funktion bietet die Möglichkeit Richtungsanweisungen oder andere Begrifflichkeiten aufzunehmen und zu wiederholen.
- Versprachlichung der Route/ des Weges: Nicht nur das Ziel, sondern der Weg dorthin wird sprachlich begleitet. Vokalisieren der Schritte: Die Kinder sprechen die Richtungen beim Programmieren laut mit („Vor, vor, rechts, vor“) bzw. ganze, gleich bleibende Sätze werden wiederholt
Visualisierung durch Bildkarten
Für sprachförderliche Angebote mit dem Bee-Bot ist eine visuelle Unterstützung durch Bild- und Wortkarten essenziell. Um den Roboter zu den passenden Bild- bzw. Wortkarten fahren zu lassen, wird die Nutzung einer Matte mit einem Raster (15x15cm) empfohlen.
Bild- und Wortkarten bieten konkrete visuelle Anreize und den vermittelnden Wortschatz und können an jedes Projekt oder Thema beliebig angepasst werden. Die Kinder können eigene Zeichnungen anfertigen oder es können eigene Fotos genutzt werden.
Am Medienkindergarten sind fertige Bildkarten-Sets zu diversen Themen (Jahreszeiten, Mathematik, Deutsch, Sachunterricht) zu finden.
Vom Bild zum Wort: Aktivitäten mit dem Bee-Bot
Je nach Schwerpunkt und Lernziel kann die Aufgabenstellung bzw. das Einsatzszenario anders gestaltet werden. Hier einige Ideen:
Wortschatz & Begriffsbildung:
Gezielter Wortschatzaufbau: Den Wortschatz spielerisch festigen, fachspezifische Begriffe ansteuern und vertiefendes Wissen vermitteln.
- Jahreszeiten: Wortschatz rund um Wetter, Kleidung und Naturveränderungen
- Ernährung/Lebensmittel: Begriffe zu gesunder Ernährung, Obst, Gemüse und Speisen spielerisch benennen.
- Zahlen & Mengen: Mathematische Vorläuferfähigkeiten und Sprache verbinden (z.B. Mengendarstellungen, Zahlenbilder, geometrische Formen oder erste Uhrzeiten den passenden Feldern zuordnen).
- Wiener Bezirke & Sehenswürdigkeiten erkunden
- Ich bau mir meine Welt (Verkehrserziehung): Begriffe aus dem Straßenverkehr, Fahrzeuge und Sicherheitsregeln sprachlich begleiten.
- Gefühle: Gefühlszustände benennen, mimisch ausdrücken und über eigene Emotionen sprechen.
- Tiere & Lebensräume (Lebenszyklen): Tiernamen, deren Lebensräume sowie Lebenszyklen (z.B. von der Raupe zum Schmetterling)
Phonologische Bewusstheit
- Anlaute: Erste Laute in Wörtern erkennen und bilden (z.B. „Welches Bild beginnt wie dein Name?“). Dazu werden passende Bild- oder Buchstabenkarten auf der Matte angesteuert.
- Silben & Rhythmus: Gliedern von Wörtern in Silben und Rhythmen (z.B. durch Klatschen).
- Präpositionen erlebbar machen: Raumbeziehungen konkret erfahren und im Satz anwenden (vor, hinter, neben, zwischen, auf)
- Hören & Finden von Reimwörtern: Hörverständnis und Klangstruktur der Sprache schulen (z.B. Haus -> Maus).
- Zusammengesetzte Nomen: Bildkarten verbinden, die gemeinsam ein neues Wort ergeben (z.B. Apfel + Baum = Apfelbaum)
Erzählen & Geschichten
- Storytelling & Geschichten nacherzählen: Schlüsselbilder einer vorgelesenen Geschichte werden auf der transparenten Matte verteilt. Während des Vorlesens oder im Anschluss steuern die Kinder den Bee-Bot chronologisch zu den Stationen der Handlung oder erzählen den Ablauf in eigenen Worten nach. Beispielgeschichten Die Welt der Bienen und Mit dem Roboter auf Schatzsuche oder Wien mit dem Bee-Bot erkunden sind am Medienkindergarten zu finden.
- Memory: Das klassische Aufdecken von Paaren lässt sich hervorragend auf die transparente Bee-Bot-Matte übertragen, indem abgedeckte Karten gezielt angesteuert und aufgedeckt werden.
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Weiterführende Links
Roboter:
- Bee-Bot Padlet mit kostenlosen Materialien
- Alle kostenlosen Bildkarten zu verschiedenen Themen
- Robotertest “Bee-Bot”
- weitere Lernroboter im Test
Sprachförderung:
- Unterstützte Kommunikation
- Mit AsTeRICS AAC kommunizieren
- Sprachförderung mit digitalen Medien
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