Die Faszination von Fernsehen und Streaming

Fernsehen ist für Kinder wie Erwachsene faszinierend. Manchmal fällt es schwer, sich vom Bildschirm zu lösen. Begleitung und Vorbildwirkung sind die wichtigsten Stichwörter im Umgang mit dem Phänomen Fernsehen und Streaming.

Der Konsum verschiedener Sendungsformate im Fernsehen oder Internet ist ein kontrovers diskutiertes medienpädagogisches Thema. Wie der Einfluss dieses Mediums zu werten ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Neben der individuellen Gestaltung der einzelnen Formate nehmen auch die Einbettung und die familiären Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle ein.

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Netflix, Amazon Prime, YouTube & Co.

Diese Medien werden als sogenannte “Streaming Media” bezeichnet. Die technischen Grundlagen dafür existieren bereits seit dem Aufstieg des Fernsehens. Seit den 1990ern finden sich in vielen Haushalten leistungsfähige PCs und ausreichende Netzwerkbandbreite, damit begann der Aufstieg dieser Plattformen. Der Vorteil von Streaming ist, dass der Inhalt zeitlich und örtlich unbegrenzt zur Verfügung steht. Ausgewählte Serien können zum bestmöglichen Zeitpunkt für den Tagesablauf gesehen werden. Außerdem ist es möglich, je nach Anlassfall, passende Videos auszuwählen. Viele Angebote stehen auch kostenfrei zur Verfügung.

Die ständige Verfügbarkeit kann jedoch ebenso als Nachteil gewertet werden, da eine Einschränkung der Inhalte und Zeiten eigenverantwortlich beziehungsweise durch Bezugspersonen stattfinden muss. Außerdem werden kostenfreie Angebote oft durch Werbung oder den Verkauf von Daten finanziert.

Trotz der Konkurrenz bleibt Fernsehen eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Kinder, auch wenn Streaming-Dienste und Videoplattformen aufholen (vgl. Oberösterreichische Kinder und Medien Studie 2020). Die Kombination des einfach zu handhabenden audiovisuellen Erlebnisses und der inzwischen breiten Auswahlmöglichkeit für alle Präferenzen macht Fernsehen zu einer verlockenden Alltagsbeschäftigung.

Faszination Bildschirm

Die anziehende Wirkung dieser Bildschirmmedien ist auf eine unbewusste Reaktion unseres Organismus zurückzuführen. Die sogenannte Orientierungsreaktion optimiert unsere Bereitschaft kognitive Informationen aufzunehmen. Unser Körper entspannt sich während unser Gehirn Informationen verarbeitet. (Vgl. Csikszentmihalyi und Kubey, 2002)

Schon Säuglinge reagieren auf eingeschaltete Geräte im Raum aufgrund der Bilder und Geräusche. Die Kombination dieses Reizes mit dem auf unsere und die der Kinder zugeschnitten Vorlieben machen die Verlockung von Bildschirmmedien so groß. Sobald der Bildschirm eingeschaltet wird, setzt ein Gefühl der Entspannung ein, das anhält bis der Ausschaltknopf gedrückt wird. Das bedeutet die anfängliche Faszination wird durch einen unbewussten Reiz, die Orientierungsreaktion, ausgelöst, während die weitere Lust am Fernsehen durch Gewöhnung und zielgerichtete Inhalte einsetzt. Daher sind gemeinsam besprochene Regeln des Bildschirmkonsum betreffend von Beginn an ein wichtiger Rahmen für Kinder.

Programm speziell für Kinder

Filme, Serien, Shows, Nachrichten, Werbung – Fernsehen und Streaming bietet eine große Bandbreite von Inhalten. Inzwischen gibt es auch sehr viele Inhalte, die sich speziell an Kinder richten. Die Auswahl der Programme sollte sich immer am Entwicklungsstand der Kinder orientieren. Besonders empfehlenswert sind Medien ohne Werbeunterbrechungen, wie dies zum Beispiel beim Fernsehsender KiKa und bei den Kinder-Apps von Streaming Diensten der Fall ist. Mehr Informationen dazu finden Sie im Artikel Merkmale kindgerechter Medien.

Einfluss von Fernsehen und Streaming auf Kinder

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Diversität in audiovisuellen Medien

Egal ob Fernsehen, Streaming oder Videoclips: Kinder sehen hauptsächlich weiße und vorwiegend männliche Figuren. Werden Menschen dargestellt, kommen auf vier männlich dargestellte eine weiblich dargestellte Person. Bei tierischen oder fantastischen Gestalten ist das Verhältnis noch drastischer: Aus 10 Figuren sind 9 männlich (vgl. Prommer, Linke 2017). Kinder verschiedener soziokultureller Hintergründe haben kaum eine Möglichkeit Vorbilder zu finden. Über drei Viertel der Hauptfiguren werden mit weißer Hautfarbe dargestellt (vgl. Schlote, Otremba 2010). Auch für Menschen mit Behinderung ist es schwer Identifikationsfiguren im Kinderfernsehen zu finden. Selten werden Figuren mit Behinderung in Serien eingebunden und wenn doch, passiert es in den Stereotypen des Opfers oder einer Figur mit übermenschlichen Fähigkeiten (vgl. Schlote, Goetz, 2010). Alle diese Punkte machen es notwendig Serien auszuwählen, die Diversität aufzeigen und solche, die Stereotypen bedienen immer wieder zu besprechen und Kinder dafür zu sensibilisieren solche Diskrepanzen zwischen Lebenswelt und Fiktion zu erkennen und benennen zu können.

Fernsehen, ob über Rundfunksender oder im Internet, ist fester Bestandteil des Medienalltags der Kinder. Zur Aufgabe von Bildungseinrichtungen gehört es daher, ihnen beim Aufbau der nötigen Kompetenzen zu helfen, um mit dem Medium verantwortlich, selbständig und reflektiert umgehen zu können. Kinder sollen erkennen können, dass das Fernsehen nicht unbedingt die Realität repräsentiert.

Während vorhandene Risiken und Sorgen nicht außer Acht gelassen werden sollten, ist es wichtig die faszinierenden Seiten von Fernsehen und Streaming zu beleuchten. Dazu zählen die Erlebnisse mit Medienheldinnen und Medienhelden aus Lieblingsserien, die vielen Informationen die aus Sendungen mit Bildungsinhalten aufgenommen werden und die Möglichkeit in unterschiedlichsten Sprachen fernzusehen. Diese positiven Aspekte machen es möglich die Faszination Fernsehen und Streaming auch Kinder guten Gewissens nutzbar zu machen.


Literatur

Csikszentmihalyi, Mihaly; Kubey, Robert (2002): Wenn Fernsehen zur Droge wird. In: Spektrum der Wissenschaft 5 / 2002

Götz, Maya; Schlote, Elke (2010): Darstellung von Behinderung im Kinderfernsehen. http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/23_2010_2/Schlote_Goetz-Behinderung_im_Kinder_TV.pdf (abgerufen am 22.02.2021)

Mikos, Lothar (2008): Fernsehen und Video. In: Sander, Uwe; Von Gross, Friederike; Hugger, Kai - Uwe (Hrsg) (2008): Handbuch der Medienpädagogik (1. Auflage). VS, Verlag für Sozialwissenschaften.

Prommer, Elizabeth; Linke, Christine (2017): Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland. https://www.imf.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/Alle_PHF/IMF/Forschung/Medienforschung/Audiovisuelle_Diversitaet/Broschuere_din_a4_audiovisuelle_Diversitaet_v06072017_V3.pdf (abgerufen am 22.02.2021)

Pschyrembel Online: Orientierungsreaktion. https://www.pschyrembel.de/Orientierungsreaktion/T02U6 (abgerufen am 22.02.2021)

Schlote, Elke; Otremba, Katrin (2010): Kulturelle Vielfalt im Kidnerfernsehen. http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/23_2010_2/Schlote_Otremba-Kulturelle_Vielfalt.pdf (abgerufen am 22.02.2021)

WHO, (2019): Guidelines on physical activity, sedentary behaviour and sleep for children under 5 years of age. Geneva: World Health Organization; 2019. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO

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