Rugged Robot

Der abenteuerlustige Bee-Bot mit beschränkter Haftung

Kurzbeschreibung:

Rugged Robot ist ein knapp 20x20 Zentimeter großer Lernroboter auf überdimensionierten Rädern, der sich grundsätzlich über Tasten an seiner Oberseite steuern lässt - via Bluetooth ist allerdings auch ein Zugriff über digitale Endgeräte und Tactile Reader möglich. In der Basisversion verfügt der Lernroboter über folgende Funktionalitäten:

  • Bewegung (3 Geschwindigkeiten, 20-Zentimeter-Schritte)
  • Audio-Ausgabe (oben)
  • LED-Scheinwerfer und Rücklichter
  • LED-Anzeige für Batteriestatus und Bluetooth-Verbindung
  • Hindernissensor (vorne)

Erste Inbetriebnahme:

Der Rugged Robot ist mit einem integrierten Akku ausgestattet, der laut Hersteller 1-2 Stunden zum Laden benötigt und dann eine Laufzeit von rund drei Stunden garantiert. Unserem Eindruck nach handelt es sich bei letzterem aber um Mindestangaben, weil der Lernroboter nach sowohl einem ausgedehnten Test als auch einer später erfolgten Inbetriebnahme noch über genügend Energiereserven verfügte. Problematisch ist allerdings, dass ein eigener (mitgelieferter) Hohlstecker als einzige Option zum Aufladen dient. Die Batteriestatusanzeige via LED-Ring ist nicht sonderlich intuitiv bzw. genau.

Zum Standardset bei Rugged Robot gehört der Lernroboter selbst, ein USB-Kabel mit Hohlstecker-Anschluss zum Aufladen und das schmale Heftchen “Quick Starter Guide” mit fast so vielen Seiten an kleingedruckten Sicherheitshinweisen als Einführungsbeispielen. Die Erklärungen werden lediglich über Zeichnungen, daher meist leicht verständlich, vermittelt.

Die manuelle Steuerung durch die Tasten an der Oberseite ist intuitiv, vor allem, wenn jene von Bee-Bot oder Blue-Bot bereits bekannt ist. Einzige Neuerung ist, dass sich der Roboter bei entsprechendem Tastendruck lediglich um 45 Grad dreht und die Schrittlänge 20 Zentimeter beträgt. Der Hindernissensor und die Geschwindigkeiten lassen sich ebenfalls einfach über Knopfdruck aktivieren.

Probleme bereitete hingegen die Verbindung via Bluetooth mit der App (AndroidiOS) auf einem Tablet (bzw. auch auf jedem anderen digitalen Endgerät möglich). Diese funktionierte erst nach längerem Probieren. Bei einem weiteren kleinen Test mit der App auf einem Smartphone ging die Verbindung zwischendurch immer wieder verloren. Grundsätzlich wird eine zustande gekommene Verbindung über das blaue Aufleuchten des LED-Rings angezeigt.

Hardware:

Hardware:

Rugged Robot besteht zum Großteil aus Plastik und dürfte durch seine robuste Bauart durchaus auch einer raueren Behandlung standhalten. Da die Räder allerdings ebenfalls aus ABS-Kunststoff hergestellt sind, fehlt es dem Lernroboter sehr schnell an Grip und bereits geringe Steigungen werden bei zu glatten Oberflächen ein Problem.

Der integrierte Akku kann nur über den mitgelieferten Hohlstecker aufgeladen werden und verfügt laut Hersteller über eine Laufzeit von ca. 3 Stunden, bei einer Ladezeit von rund 1-2 Stunden. Die Hindernissensoren sind beim Roboter vorne, direkt unter den kleinen Scheinwerfern, angebracht.

Rugged Robot erzeugt sehr laute Fahrgeräusche. Die Lautstärke lässt sich nicht regulieren bzw. ausschalten, lediglich zusätzliche Biep-Töne nach ausgeführten Befehlen können über eine Taste direkt am Roboter aktiviert/deaktiviert werden.

Auf der Oberseite des Lernroboters kann via Aufsteckmöglichkeit noch eine Kamera zum Festhalten der unternommenen Ausflüge angebracht werden. Ebenso findet sich nahe der Hinterräder eine Art “Ladefläche”, mit dem Material transportiert werden kann. Hier lässt sich auch ein “Data Logger Backpack” einlegen, mit dem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit gemessen werden können. Beide Bestandteile sind aber nicht im Basispaket enthalten.

Steuerung/Apps:

Steuerung/Apps:

Der Lernroboter lässt sich entweder über Tasten direkt, über eine eigene, kostenlose App oder auch über Tactile Reader steuern.

Die Steuerung am Roboter selbst funktioniert über vier Richtungstasten (nach vorne, hinten, links, rechts), einer Pause- (0,5 Sekunden) und einer Löschtaste. Im Gegensatz zu Bee-Bot oder Blue-Bot erfolgen die Drehungen nur im 45-Grad-Winkel. Insgesamt kann der Lernroboter eine Kette von 256 aufeinanderfolgenden Befehlen erfassen. Zusätzlich kann über beleuchtbare Knöpfe auch noch der Hindernissensor aktiviert und die Geschwindigkeit in drei Modi eingestellt werden.

Bei den Geschwindigkeiten irritiert vor allem die eingeschränkte Unterscheidbarkeit der eigentlich drei einstellbaren Stufen: In Modus 1 (Taste leuchtet nicht) bewegt sich Rugged Robot deutlich langsamer, er legt aber vor allem zwischen jedem Schritt kurze Pausen ein. Modus 2 (Taste leuchtet) und 3 (Taste blinkt) führen beide zu einer gleichen, insgesamt etwas höheren Geschwindigkeit, aber ohne Pausen bei der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung - vor einer Drehung wird dennoch gestoppt. Modus 3 soll dabei laut Hersteller vor allem für den Outdoor-Einsatz ideal sein (für uns war aber auch bei verschiedener Bodenbeschaffenheit kein tieferer Sinn für diesen speziellen Geschwindigkeits-Modus erkennbar).

Ist der Hindernissensor aktiviert, reagiert er bei einem einprogrammierten Kurs bereits in sehr großer Entfernung zum erkannten Hindernis. Rugged Robot setzt dann kurz einen Schritt nach hinten, dreht sich um 90 Grad und fährt einen Schritt nach vorne. Danach dreht er sich wieder in die ursprüngliche Ausgangsposition und versucht seinen Kurs fortzusetzen. Ist dies nicht möglich, so beginnt der gerade beschriebene Prozess von vorne.

Mit der App (AndroidiOS) sind drei verschiedene Programmierarten möglich: 

1. “Step-by-Step”, also einfache Programmierung via Richtungstasten, auf die der Roboter sofort reagiert. Hier wird auch die Go-Taste angezeigt, die in diesem Modus allerdings keine Funktion erfüllt.

2. “Basic Programming”, bei dem eine Schrittsequenz (nach vorne, nach hinten, Drehen links und rechts) sowie auch Pause und Löschen der Sequenz programmiert werden können.

3. “Explore Mode”, der erweitert zu Punkt 2 auch noch die Schleifenfunktion, die Aktivierung des Hindernissensors und die Einstellung der Geschwindigkeit ermöglicht.

Die App ist grundsätzlich intuitiv gestaltet, enthält neben bereits oben erwähnter, ohne Funktion belegter Go-Taste in Modus 1 aber durchaus noch einige weitere Stolpersteine. Der Verbindungsaufbau über Bluetooth war nicht immer ohne Probleme möglich, bzw. manchmal auch nicht sonderlich stabil. Mit der in Modus 3 verfügbaren Schleifenfunktion können immer nur jeweils zwei Befehle hintereinander bis zu neunmal wiederholt werden. Größere Schleifen lassen sich nicht bilden. Das Belegen der einzelnen Tasten mit selbst aufgenommenen Tönen gelang uns trotz mehrerer Versuche nicht.

Zur Steuerung über den Tactile Reader kann auch die vorhandene Beschreibung in unserem Blue-Bot Test nachgelesen werden.

Pädagogisches Fazit:

Der Rugged Robot ist wie sein "kleiner Bruder", der Bee-Bot, für den ersten Einstieg in das Programmieren bzw. das Verstehen von Algorithmen gedacht. Wie dieser ist er für Kinder ab ca. 4 Jahren geeignet und kann sowohl einzeln als auch in Kleingruppen genutzt werden. 

Die Möglichkeit zum Outdoor-Einsatz des Rugged Robot ist durchaus innovativ, da so gut wie alle anderen Lernroboter nur für den Einsatz in Innenräumen gedacht sind. Ob er darüber hinaus Vorteile gegenüber Bee-Bot oder Blue-Bot bietet, haben wir uns im Test angesehen.

Programmierung und Fahrerlebnis
Der erste Eindruck des Rugged Robot mit seiner Allrad-Buggy-Optik erzeugt durchaus Vorfreude. Sein kleiner Bruder Bee-Bot, bei dem sich schon eine kleine Falte in Matte oder Teppich als unüberwindliches Hindernis erweist, ist schließlich das Gegenteil von geländegängig. Auch die meisten anderen Lernroboter kommen fast nur mit ebenen Oberflächen in Innenräumen zurecht. Da weckt der Rugged Robot mit seinen großen Profilrädern und seiner ausgeprägten Bodenfreiheit Hoffnungen auf einen dynamischen Einsatz im Gelände. Leider zeigt sich schnell, dass er diesen Hoffnungen nicht gerecht werden kann.

Ein Nachteil ist bereits die Größe von 20x20cm und die entsprechende Schrittlänge. Dies bedeutet, dass Bee-Bot-Matten und andere Materialien mit dem Rugged Robot nicht verwendbar sind und eigenes Material angeschafft werden muss. Das ist schade, da die Bee-Bot Schrittlänge von 15cm sich als Quasi-Standard etabliert hat und von einigen anderen Robotertypen, wie etwa Cubetto oder Tale-Bot Pro, genutzt wird. Durch die glatten Kunststoffreifen erweist sich Rugged Robot in Innenräumen als kaum geländegängiger als der Bee-Bot.

Bei der Programmierung gibt es einige unerklärliche Designentscheidungen. Mit der höchsten Geschwindigkeitseinstellung würde man sich eine zügige Fahrt im Gelände erwarten. Tatsächlich kommt er mit kurz geschnittenem Gras, Sand und sogar Rindenmulch gut zurecht, doch durch die kurzen Pausen vor jeder Kurve gestaltet sich jede Ausfahrt ziemlich ruckelig. Dass Drehungen von 45 Grad statt 90 Grad hier der Standard sind, sorgt womöglich eher für Verwirrung. Diagonales Fahren auf Matten mit quadratischen Feldern ergibt jedenfalls wenig Sinn. Im Freien sind außerdem die LED-Anzeigen kaum sichtbar - enttäuschend für einen Roboter, der mit seiner Eignung zum Outdoor-Einsatz beworben wird.

Die im Vergleich zum Bee-Bot neue Option der Schleifenprogrammierung wäre interessant, bliebe sie nicht auf zwei aufeinanderfolgende Befehle beschränkt. Nutzt man hingegen den für den Blue-Bot entwickelten Tactile Reader, sind sehr wohl komplexere Schleifen möglich.

Sensoren und Zusatzausstattung
Die Einbindung der zusätzlichen Sensoren enttäuscht ebenfalls. Der Hindernissensor kann leider nicht in die Programmierung integriert werden, sondern führt bei Aktivierung einfach fixe Bewegungsvorgaben aus. Der Lichtsensor aktiviert bei Dunkelheit automatisch die Scheinwerfer. 

Auch die übrigen als Zusatzausstattung erhältlichen Sensoren können zwar auf dem Roboter montiert, aber nicht für die Steuerung genutzt werden. Das Programmieren von Bedingungen - folge der Geräuschquelle, stoppe bei Dunkelheit oder ähnliches - ist also nicht möglich. Es können nach der Fahrt nur die Werte der Sensoren ausgelesen werden; der Sinn erschließt sich uns nicht. Ähnliches gilt für die Kamera, die auf dem Roboter montiert wird, aber das Bild nicht live auf die App überträgt. Damit gehen die Möglichkeiten der Programmierung nicht über die des Blue-Bot hinaus.

Kurzfazit
Pädagogisch hat der Rugged Robot keinerlei Mehrwert gegenüber dem Bee-Bot oder gar dem Blue-Bot. Der Roboter hätte durch Sensoren und seine größere Beweglichkeit zwar wesentlich mehr Potenzial, dieses lässt sich durch die Mängel in der Steuerung jedoch nicht ausreizen.

Sein größtes Manko ist der ausgeprägte Kontrast zwischen Aussehen und Performance. Wer sich aufgrund der Optik ein dynamisches, spannendes Fahrerlebnis erwartet, wird schnell enttäuscht werden. Es ist zu erwarten, dass das teure Gerät nach kurzer, frustrierender Nutzung in der Ecke verstaubt.

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