Digitale Elternarbeit

Was ist möglich und wie kann es funktionieren?

Elternarbeit zur Corona-Zeit

In Zeiten des Coronavirus sind wir alle von Ausgangsbeschränkungen betroffen. Viele Kinder werden nun rund um die Uhr zu Hause betreut - eine Situation, die Eltern teilweise vor große Herausforderungen stellt. Einige Kindergartenträger in Wien haben daher dazu aufgerufen, die Eltern zu Hause zu unterstützen. Zu diesem Zwecke können die unten beschriebenen kostenlosen Tools zur digitalen Elternarbeit genutzt werden. Einerseits, um mit den Eltern in Kontakt zu treten, andererseits aber auch, um diesen Aktivitäten, Unterlagen und Spielideen zukommen zu lassen und sie auf diese Weise im Alltag mit dem Kind zu unterstützen.

Daher haben wir auch eine Linksammlung mit Webseiten und Online-Angeboten zusammengestellt, die Eltern mit vielen Ideen für sinnvolle Aktivitäten zu Hause unterstützten können. Außerdem finden Sie einen kurzen Guide zu Tipps für Eltern, wie diese den Alltag mit den Kindern zu Hause gestalten können.

Wiener BildungsserverPixabay

Unser Leben wird immer mehr von digitalen Geräten durchdrungen. Laut Statistik Austria verfügen 9 von 10 Haushalten in Österreich über einen Internetzugang und mittlerweile besitzen 70-90 % (je nach Alter) der ÖsterreicherInnen ein Smartphone. Viele Menschen sind es bereits gewohnt ihr Leben über das Internet zu organisieren. Im Kindergarten werden Informationen unterdessen immer noch in Form von Listen und Zetteln festgehalten bzw. weitergegeben, die mal mehr, mal weniger intensiv gelesen werden. Die Frage, die sich stellt: Kann es auch im Kindergarten sinnvoll sein, mit Eltern auch auf digitalem Wege zu kommunizieren? Und wie könnte das funktionieren? Im Folgenden bekommen Sie einen Einblick in die verschiedenen Formen der digitalen Kommunikation, deren Chancen und Gefahren sowie in die zur Verfügung stehenden Tools.

Die digitale Kommunikation eröffnet viele neue Möglichkeiten: So können PädagogInnen wichtige Informationen zeitnah und zuverlässig, auch außerhalb der Bring- und Abholzeiten, an die Eltern weitergeben. Die altbekannte Zettelwirtschaft wird vermieden. Termine für Fotografen und Veranstaltungen oder Informationen rund um im Kindergarten auftretende Krankheiten können unkompliziert kommuniziert, Fotos von Kindergartenfesten und Ausflügen geteilt werden. Digitale Elternarbeit bedeutet nicht, dass andere Elemente der Elternarbeit, wie Tür & Angel-Gespräche oder sonstige persönlichen Kontakte, ersetzt werden sollen. Sie kann aber einige organisatorische Aufgaben erleichtern bzw. abnehmen. Damit das gelingt, sollte sie gut geplant und überlegt sein.

Konzept erstellen

Konzept erstellen

Bevor man mit digitaler Elternarbeit beginnen kann, ist es wichtig ein Konzept zu erstellen – als Team für die eigene Gruppe oder auch für den gesamten Standort. Die Umstellung auf digitale Kommunikation kann sich auf einzelne Funktionen beschränken oder bis hin zur gesamten Kindergarten-Organisation reichen. Hier sollte gut überlegt werden, was für die Gruppe/das Haus möglich ist und was sinnvoll erscheint:

Wer möchte digitale Elternarbeit betreiben?

  •     Einzelne Gruppen oder der gesamte Standort ?

Welche digitalen Geräte habe ich für die Umsetzung zur Verfügung ?

  • Welche Endgeräte können dafür genutzt werden?
  • Gibt es PCs, Laptops, Tablets?

Wofür möchte ich sie nutzen?

  • Direkte Kommunikation mit den Eltern
  • Verwaltung (Abhol-/ Bringzeiten, Terminkoordinierung) & Portfolio
  • Informationsweitergabe (z.B. Termine, Informationen zu Aktivitäten, Krankheiten)

Wie möchte ich sie nutzen?

  • Als Ersatz für Listen und Aushänge
  • Als Ergänzung für Listen und Aushänge
  • Für andere Inhalte

Eltern

  • Welche Endgeräte haben die Eltern zur Verfügung?
  • Haben alle Elternteile Internetzugang?
  • Welche Daten und Einwilligungen haben die Eltern beim Kindergarteneintritt gegeben? Sind E-Mail Adressen der Eltern vorhanden?
  • Welche Einwilligungen bräuchte ich, um meinen Plan umsetzen zu können?

Vorgaben des Trägers

  • Welche Vorgaben bezüglich Datenschutz gibt es von Seiten des Trägers?
  • Gibt es Regelungen, die die digitale Elternarbeit einschränken oder verbieten?

Worauf muss ich achten?

Worauf muss ich achten?

Generell ist bei allen Tools, die zum Einsatz kommen, der Datenschutz zu beachten. Innnerhalb der EU gilt die DSGVO. Achtung bei Anbietern, die beispielsweise in Amerika ihren Sitz oder den Server stehen haben - diese können diesbezüglich eventuell auch anderen rechtlichen Richtlinen unterliegen! 

Kommunikationswege

  • Die Plattformen Whatsapp, Facebook und Instagram sind nicht datenschutzkonform und daher nicht für digitale Elternarbeit geeignet. Falls ein Messenger zur Kommunikation genutzt werden möchte, gibt es sicherere Alternativen wie zB Signal. Beachten Sie hierbei jedoch die Vorgaben des Trägers und die Datenschutzrichtlinien des Messengers. Der Nachteil, der sich aus der Nutzung eines Messengers ergibt, ist, dass die Eltern Sie jederzeit erreichen können. Überlegen Sie deshalb gut, welche Telefonnummer als "Kindergarten-Nummer" genutzt werden soll und besprechen Sie dies vorab intern.
  • Kommunikation per E-Mail: Wenn Sie Sammel-Mails an die Eltern ausschicken, dürfen die einzelnen E-Mail-Adressen nicht für jeden Empfänger sichtbar sein. Um dies zu verhindern, fügen Sie die E-Mail Adressen der Eltern im Feld "BCC" ein und schicken Sie die E-Mail an die eigene (Sender-)Adresse.
  • Kommunikation per App: Es gibt zahlreiche kostenpflichtige Anbieter die ganze Software-Pakete zur Elternkommunikation anbieten. Achten Sie hierbei immer auf die Datenschutzrichtlinien des Betreibers und klären Sie dies mit dem Träger ab. 
  • Interne Kommunikation: Wer ist für die Kommunikation mit den Eltern zuständig? Wer beantwortet E-Mails? Wie werden die Informationen intern unter den KollegInnen weitergegeben?

Datenschutz & Urheberrecht

  • Verwenden Sie niemals Ihre private Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, sondern nutzen Sie jene der Bildungseinrichtung oder legen Sie gegebenfalls eine neue an (mehr Infos dazu unter "Tools zur Umsetzung")
  • Falls Sie Texte, Lieder oder Unterlagen zu Aktivitäten an die Eltern schicken möchten, achten Sie unbedingt auf das Urheberrecht!
    Tipp: Senden Sie Links zu Internetseiten und kopieren Sie nicht den Text in ein Dokument etc.  Einen Liedtext samt Noten zu kopieren und den Eltern weiterzugeben, ist verboten! Lesen Sie mehr zum Urheberrecht im Kindergarten
  • Weitergabe von persönlichen Daten der Kinder: Auch wenn passende Tools die Weitergabe von Daten und/oder Fotos vereinfachen, ist es wichtig, sich vorab über die Datenschutzrichtlinien zu informieren. Ganz besonders, wenn es sich um sensible, persönliche Daten handelt!

Regeln aufstellen & Testphase

  • Vereinbaren Sie mit den Eltern Regeln für die digitale Kommunikation. Setzen Sie fest, welche Kommunikationskanäle wofür genutzt werden. Besprechen Sie mit den Eltern zB welche Informationen per Mail ausgetauscht werden können und in welchem Zeitraum Eltern mit einer Antwort Ihrerseits auf Anfragen per Mail rechnen können.
  • Machen Sie den Eltern bewusst, dass Sie nicht 24/7 erreichbar sind.
  • In einer ersten Eingewöhnungsphase ist es wichtig, nachsichtig mit den Eltern zu sein. Fragen Sie immer wieder nach, ob die ausgesendeten Informationen auch tatsächlich angekommen bzw. gelesen worden sind. Passen Sie gegebenenfalls ihr Konzept an die Bedürfnisse der Eltern an.

Tools zur Umsetzung

Kostenlose Tools

Es gibt einige kostenlose Tools, die sich für die digitale Elternarbeit eignen. Hier einige Tipps:

E-Mail-Verteiler

Die einfachste Variante, um Eltern wichtige Informationen auf digitalem Wege zukommen zu lassen, ist per E-Mail. Verwenden Sie hierfür jedoch keine private E-Mail-Adresse, sondern nutzen Sie die E-Mail-Adresse des Kindergartens bzw. erstellen Sie gegebenenfalls eine neue, die Sie nur für diese Zwecke nutzen. Dafür können Sie kostenlose Anbieter wie Gmail oder GMX nutzen. Klären Sie dies jedoch in jedem Fall vorab mit der Leitung Ihrer Bildungseinrichtung ab! Gerade bei Gmail ist es außerdem wichtig, die Vielzahl an Einstellungen zur Privatsphäre Punkt für Punkt durchzugehen und entsprechend anzupassen. Bei kostenlosen Angeboten ist stets mitzubedenken, dass man für deren Nutzung zwar kein Geld bezahlt, dafür jedoch oftmals mit den eigenen Daten. Daher muss immer genau überlegt und abgewogen werden, welche Daten digital versendet werden sollen und dürfen. 

Padlet

Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier vielfältig. Wir arbeiten selbst mit Padlets, da sich diese gut für Link- und/oder Ideen-Sammlungen zu einem bestimmten Thema eignen (hier als Beispiel unser öffentliches Bee-Bot Padlet). Es können Links, Texte, Bilder uvm. eingefügt werden. Diese Pinnwand kann entweder öffentlich sichtbar sein oder mit einem Passwort versehen werden (das kann ganz einfach über die Privatsphäre-Einstellungen angepasst werden). Für die digitale Elternarbeit eignet sich dieses Tool um z.B. Unterlagen, Links zu Aktivitäten usw. für die Eltern bereitzustellen (keine persönlichen Daten). Für die Erstellung eigener Padlets ist eine Registrierung per E-Mail ist notwendig. Dann können 3 Pinnwände kostenlos erstellt werden.

Cloud-Dienste

Gmail und GMX liefern beim Erstellen des Accounts einige Zusatzfunktionen mit. Gmail hat hier mehr Funktionen zu bieten als GMX. Beide Anbieter bieten jedoch Cloud-Dienste (Online-Speicherplatz) und Kalender an, welche auch für den Kindergartenalltag genutzt werden können. Dateien oder Ordner können für die Eltern freigegeben werden und auf diese Weise Unterlagen und Informationen verschickt werden. Es gibt aber auch andere kostenlose Cloud-Anbieter wie zB Dropbox. Generell ist bei der Nutzung solcher Dienste darauf zu achten, automatische Uploads von Anfang an zu deaktivieren und niemals sensible Daten in die Cloud zu stellen!

Um große Daten bis 2 GB zu versenden, kann zB "We-Transfer" genutzt werden. Mit diesem Tool werden größere Datenmengen für eine gewisse Zeit in einer virtuellen Cloud gespeichert, welche dann per Link verschickt und heruntergeladen werden können. Nach einiger Zeit werden die Daten automatisch gelöscht.

Kostenpflichtige Tools

Es gibt einige Anbieter, die kostenpflichtige All-in-One Pakete anbieten. Mit nur einer Software-Lösung können Termine koordiniert, die Portfolios angelegt und die Bring- und Abholzeiten der Kinder eingetragen werden. Die Eltern können per App die Kinder krankschreiben und entschuldigen etc. Diese Lösungen machen im Normalfall nur dann Sinn, wenn ein ganzes Haus bzw. mehrere Standorte diese nutzen und der Kindergartenträger dies finanziert und auch die passenden Endgeräte für jede Gruppe zur Verfügung stellt.Eine kostenlose Variante solcher All-in-one Pakete gibt es bis dato nicht.

Ideen
BildDB