Künstliche Intelligenz im Kindergarten verstehen
Teil 1: Haltung, medienpädagogische Grundlagen und Grundregeln für den verantwortungsvollen KI-Einsatz
Künstliche Intelligenz ist im Alltag von Kindern angekommen – ob durch Sprachassistenten wie Alexa, KI-generierte Videos und Fotos oder smarte Spielzeuge.
Diese Technologie prägt die Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt. Eine frühzeitige, reflektierte Auseinandersetzung ist daher essenziell. Als Pädagog:innen und Eltern stehen wir vor der Aufgabe, diese Lebensrealität aufzugreifen und KI sinnvoll in den Kindergartenalltag einzuordnen und gewissenhaft zu nutzen.
KI als neue medienpädagogische Aufgabe
Kinder wachsen als selbstverständliche KI-Nutzer:innen auf. Wie in allen anderen medienpädagogischen Bereichen ist es daher eine wichtige Aufgabe, Kinder altersgerecht zu begleiten und aufzuklären. Dabei geht es um Risikoprävention und darum, Kindern ein erstes, kritisches Verständnis für diese Technologien zu vermitteln. Sich in einer digitalen Welt orientieren zu können, trägt nicht zuletzt auch zu Bildungschancengerechtigkeit bei.
Pädagogische Kompetenz & Haltung
Für Pädagog:innen bedeutet dies eine Erweiterung ihrer beruflichen Kompetenzen. Neben einem grundlegenden Wissen, wo KI enthalten ist, was dahinter steckt, was die Vor- und Nachteile von KI-Tools sind und wie man KI-Tools bedient, müssen sie auch wissen, wie diese didaktisch sinnvoll und ethisch vertretbar in den pädagogischen Alltag integriert werden können. Dies erfordert eine Weiterbildung und Aufklärung bzw. Reflexion über die eigene Nutzung.
Entlastung für das Wesentliche
KI wird von Pädagog:innen zum Großteil schon genutzt. Wichtig ist dabei, sich klar zu machen, dass KI Pädagog:innen nicht ersetzen soll, sondern im Alltag entlasten. Administrative Aufgaben, wie das Entwerfen von Elternbriefen, die Vorbereitung von Projektideen oder das Strukturieren von Beobachtungsnotizen lassen sich mit KI-Tools deutlich schneller erledigen. Die Idee dabei ist, dass die gewonnene Zeit damit einfach direkt in pädagogische Beziehungsarbeit mit den Kindern einfließen kann.
Der richtige Umgang mit KI
10 Gebote der KI-Nutzung im Kindergarten
KI-Tools bieten große Chancen, wenn sie bewusst eingesetzt werden. Dennoch sollten dabei gewisse Grundregeln und Hintergründe bekannt sein und beachtet werden. Sie sollen Pädagog:innen, die bisher noch nicht so viel Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz gesammelt haben, eine erste Richtschnur in die Hand geben. Aber auch bereits geübte KI-Anwender:innen sollten sie sich immer wieder vergegenwärtigen. Zudem sind diese Grundregeln auch abseits vom pädagogischen Alltag anwendbar:
- Du sollst pädagogische Ziele vor Technik setzen
Ebenso wie andere technische Hilfsmittel soll Künstliche Intelligenz nicht selbst zur Erzieher:in werden. Erwachsene und Kinder sollten dazu ermächtigt werden, nicht Konsument:innen einer für sie unverständlichen Technologie, sondern bewusste Nutzer:innen davon zu werden. - Du sollst deiner pädagogischen Erfahrung und Intuition trauen
Als Pädagog:in verfügst du über die nötige Ausbildung und auch das Fachwissen, Lernziele im Auge zu behalten und Lernprozesse anzustoßen. KI kann und darf diese nicht ersetzen, ebenso wenig das Verständnis für Gruppendynamiken und individuelle Hintergründe sowie Herausforderungen von Kindern. - Du sollst KI als Werkzeug, aber nie als Allheilmittel nutzen
KI kann vor allem monotone, repetitive Arbeiten gut verrichten. Aber nie sollte sie menschliche Kreativität ersetzen und der finale menschliche Blick darauf völlig außen vor gelassen werden. - Du sollst Transparenz vorleben und ehrliches Vorbild sein
Mach deinen Einsatz von KI sichtbar. Wenn du eine Geschichte oder ein Bild mit KI-Unterstützung erstellst, erkläre den Kindern altersgerecht: „Das hat ein Computerprogramm/KI gezeichnet, indem ich gesagt habe, wie es das tun soll.“ - Du sollst mit minimalem Input nicht hochwertigen Output erwarten
Selbst mit einigen wenigen Angaben in Prompts liefern diverse KI-Tools scheinbar beeindruckende Ergebnisse. Dies täuscht allerdings auf den ersten Blick. Je genauer die Angaben und auch das zur Verfügung gestellte Material, umso hochwertiger sind die Ergebnisse. - Du sollst Chancen und Risiken reflektieren & prüfen
Reflektiere, wo KI-Tools am besten eingesetzt werden können, wo Problemfelder, aber auch Grenzen liegen. KI macht Fehler („halluziniert“) und liefert keinesfalls immer Fakten. Prüfe jeden Inhalt, jede Spielidee und jede Information gründlich auf Richtigkeit und pädagogische Angemessenheit, bevor du sie in der Praxis verwendest. - Du sollst dich vor zu einseitigen KI-Aussagen hüten
KI-Tools tendieren dazu, möglichst widerspruchsfreie Ergebnisse zu liefern – sei es nun bei Texten oder bei Bildern. Hinterfrage sie daher kritisch in Bezug auf Diversität und Stereotype, aber auch auf (mögliche) zuwiderlaufende Standpunkte und Perspektiven. - Du sollst das Prinzip des Bias kennen und es beachten
Systeme der Künstlichen Intelligenz wurden ursprünglich mit menschengemachten Informationen trainiert. Daher spiegeln sie auch gesellschaftliche Vorurteile und Ungleichheiten wider – sogenannte Bias. Hinterfrage generierte KI-Inhalte stets darauf, ob sie faire und inklusive Werte vermitteln. - Du sollst Nachhaltigkeit berücksichtigen
KI-Tools verbrauchen sehr viel Energie und Ressourcen. Nutze KI-Tools gezielt und bewusst und frage dich vor jedem Prompt, ob die Nutzung wirklich notwendig ist. - Du sollst mit deinen (und fremden) Daten achtsam umgehen
Unter keinen Umständen sollten bei der KI-Nutzung sensible Daten von Kindern (Namen, Geburtsdaten, Entwicklungsberichte, Fotos) oder Pädagog:innen weitergegeben werden. Datenschutz (DSGVO) hat absoluten Vorrang. Außerdem muss bewusst sein, dass Daten, die einer KI zur Verfügung gestellt werden, sie selbst wieder trainieren.
Weiterführende Links
- 10 Gebote der KI-Nutzung im Kindergarten (PDF)
- Künstliche Intelligenz im Kindergarten nutzen (Teil 2)
- 5 Tipps zur Vorbereitung von Bildungsangeboten mit KI
- Künstliche Intelligenz im Kindergarten verstehen (Teil 1)