Die Modelle der Medienkompetenz

Medienkompetenz ist das oberste Ziel medienpädagogischer Bemühungen. Was das nun genau ist, erfahren Sie hier.

Kind mit Kamera
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Mit Medien kompetent umgehen zu können ist das oberste Ziel medienpädagogischer Bemühungen.

Seit den 1970ern und dem Aufkommen der handlungsorientierten Medienpädagogik ist der Begriff Medienkompetenz als zentrales Ziel der Medienpädagogik nicht mehr wegzudenken.

Auch der Begriff "media literacy" aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, wird immer populärer. Dabei wird Medienpädagogik vorwiegend als "Erziehung zu politisch mündigen Bürgern" (Süss 2013, S.125) verstanden. Dieses Ziel ist nun auch in der Europäischen Union aufgegriffen worden und es wird versucht durch Media-Literacy Projekte, EU-Bürger aktiver an Prozessen innerhalb der EU beteiligen zu lassen (vgl. Süss 2013, S. 125).

Der Begriff Medienkompetenz wurde von WissenschaftlerInnen unterschiedlich definiert. So sind verschiedene Medienkompetenz-Modelle entstanden, welche versuchen Medienkompetenz genauer zu definieren und gleichzeitig einen Überblick zu geben welche Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt werden sollen. Dies kann bereits ab dem Kindergarten passieren!

Modell der Medienkompetenz von Dieter Baacke

Die bekannteste Definition im deutschsprachigen Raum stammt von Dieter Baacke. Basierend auf dem Kompetenzmodell für kommunikatives Handeln von Habermaß, entwickelte er sein Modell der kommunikativen Kompetenz. Medienkompetenz ist demnach ein Teil der kommunikativen Kompetenz. (vgl. Süss 2013, S. 122ff.)

Dieter Baacke nennt die Vermittlung von Medienkompetenz als die wichtigste Aufgabe innerhalb der Medienpädagogik und sieht dies als Lernaufgabe für alle Menschen (vgl. Baacke 1997, S. 97). Medienkompetent zu sein bedeutet, Medien aktiv zu nutzen und eigene Ansichten und Meinungen kommunizieren und so am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen zu können. Dies reicht weit über die reine Bedienung von Medien hinaus. Die dazugehörigen Fähigkeiten müssen genauso erlernt werden wie etwa die klassischen Kulturtechniken. Er unterteilt Medienkompetenz in vier Dimensionen (vgl. Baacke 1997, S.98f):

Medienkritik

Medienkompetent  zu sein heißt, sich kritisch mit den Inhalten von Medien auseinandersetzen zu können. Dies soll analytisch (angemessenes Erfassen von gesellschaftlichen Prozessen), reflexiv (das Analysierte auf sich und sein Handeln beziehen) und ethisch (Abklärung der Analyse und Refexion auf soziale Verantwortung) passieren.

Medienkunde

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit den Inhalten ist es auch wichtig über Medien und Mediensysteme informiert zu sein. Hierbei unterscheidet Baacke zwischen der informativen  (Wissen über Abläufe und Strukturen, z.B. wie arbeiten Journalisten) und instrumentell-qualifikatorischen (Wissen über die Bedienung bzw. technische Handhabun) Medienkunde. 

Mediennutzung

Um Medien nutzen zu können, muss Medienhandeln in zweifacher Weise gelernt werden. Rezeptiv anwendend (Nutzungskompetenz) aber auch interaktiv, anbietend.

Mediengestaltung

Außerdem ist die aktive Gestaltung von Medien ein wichtiger Punkt. Dies soll ebenfalls in zweifacher Hinsicht passieren. Innovativ, im Sinne von Veränderungen und Weiterentwicklung des Mediensystems, aber auch kreativ ("Über-die-Grenzen-der- Kommunikations-Routine-Gehen").

Die ersten beiden Dimensionen betreffen den Wissensbereich, die letzten beiden Dimensionen konzentrieren sich auf die aktive Handhabung.

Lisa Pollak

Weitere Medienkompetenz-Modelle

Es gibt unterschiedliche Modelle die versuchen Medienkompetenz zu definieren. Oftmals unterscheiden diese sich in Anzahl und Art von Dimensionen, es gibt jedoch zahlreiche Überschneidungen. Einige Modelle beschreiben Medienkompetenz auf einer handlungsbezogenen Ebene, andere fokussieren sich eher auf Kompetenzen.

Modell der Medienkompetenz von Prof. Dr. Stefan Aufenanger

Der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Prof. Dr. Stefan Aufenanger spricht von sechs Dimensionen, die alle gleichwertig zu behandeln sind (vgl. Aufenanger 2003, S. 147ff.):

  • Kognitive Dimension
    Wissen über Medien, Erkennen von Absichten, Verstehen von Inhalten
  • Handlungsdimension
    aktiver, kreativer und kompetenter Umgang mit Medien
  • Moralische Dimension
    verantwortungsbewusster Umgang mit Medien, Bedenken ethischer Fragen
  • Soziale Dimension
    Kommunikation und soziale Interaktionen mit und durch Medien
  • Affektive Dimension
    Genuss von Medien, Unterhaltung, Medien als Erlebnis
  • Ästhetische Dimension
    Wahrnehmung von Medien

Medienkompetent zu sein bedeutet,....

  • Medieninhalte nicht einfach unreflektiert aufzunehmen, sondern zu hinterfragen. Den Sinn und Zweck von Medien stets kritisch reflekiteren und in Hinblick auf ethische, moralische und soziale Aspekte unter die Lupe nehmen. Die Wirkung, Absichten und Funktionen von Medienträgern und Inhalten analysieren können. 
  • die unterschiedlichen Medien bedienen zu können und einen Einblick in die technischen Grundlagen zu haben.
  • Medienangebote und –inhalte für  die eigenen Zwecke aussuchen und nutzen.
  • Medien als  Kommunikationsmittel zum Ausdruck eigener Ideen einsetzen und sie als Werkzeuge zur kreativen Arbeit bzw. zur Gestaltung eigener Medienprodukte verwenden.
  • Medien sinnvoll in den Alltag integrieren zu können und auch erkennen, wenn die Nutzung nicht notwendig ist (digitale Auszeiten).

Das Ziel ist, dass Heranwachsende zu medienkompetenten und dadurch mündigen Bürgern werden (vgl. Schorb 2013, S. 126ff.).

Medienkompetenz ist in der modernen Welt zur Schlüsselkompetenz geworden. Daher ist es wichtig,  bereits im Kindergarten damit zu beginnen. Auch im Bildungsrahmenplan findet man Medien als Bildungsauftrag des Kindergartens.


Literatur

Aufenanger, Stefan (2003):  Die Bedeutung der Familie für die Entwicklung der Medienkompetenz von Kindern. Zeitschrift für Familienforschung, 15(2), 146-153.

Baacke, Dieter (2007): Medienpädagogik (Nachdr.). Max Niemeyer Verlag.

Süss, D., Lampert, C., & Wijnen, C. W. (2013). Medienpädagogik. Springer Fachmedien Wiesbaden. doi.org/10.1007/978-3-531-19045-7

Schorb, Bernd (2013): Medienkompetenz - Befähigung zur souveränen Lebensführung in einer mediatisierten Gesellschaft. In: Süss, D., Lampert, C., & Wijnen, C. W. (2013). Medienpädagogik. Springer Fachmedien Wiesbaden.S. 121 - 143

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