Wie Jugendliche KI-Chatbots nutzen
KI-Chatbots sind für Jugendliche längst alltägliche Begleiter geworden. Das zeigte sich in einer repräsentativen Studie, für die 500 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren aus Österreich befragt wurden. Demnach nutzen 94 Prozent der Jugendlichen KI-Chatbots, 24% sogar täglich, 42% mehrmals pro Woche. „KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at.
ChatGPT ist Nummer eins
ChatGPT ist die mit Abstand beliebteste Anwendung und wird von 90 Prozent der Befragten genutzt. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23%) oder CoPilot von Microsoft (11%) sind deutlich weniger beliebt. Jugendliche sehen KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule: Fast drei Viertel (73%) verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47%), für Erklärungen (34%), zur Formulierung von Texten (27%) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20%) verwendet. Weibliche und ältere Jugendliche (15-17 J.) nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78%) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68%).
KI als Ratgeber
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (55%) nutzt KI häufig oder gelegentlich, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, z. B. zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel (31%) verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel (26%) dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden. 40% der Befragten finden es oft hilfreicher eine KI zu fragen als einen Menschen. Die ständige Verfügbarkeit, die Zeitersparnis und die unkomplizierte Nutzung sind die Hauptgründe für deren Verwendung.
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel (24%) der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel (19%) sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann (29%) und Trost zu spenden vermag (28%). Über ein Viertel (26%) glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten (siehe dazu auch Verliebt in einen Chatbot: Künstliche Intelligenz und Beziehungen). Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Schattenseiten der KI
Das Vertrauen der Jugendlichen in KI ist groß: Mehr als die Hälfte (52%) verlässt sich darauf, dass ChatGPT & Co korrekte Informationen liefern. Vier von zehn Befragten (40%) überprüfen selten bzw. nie, ob die Ergebnisse tatsächlich stimmen. Sorgen bereitet der Mehrheit der Jugendlichen (56%), dass KI-Tools möglicherweise die Fähigkeit, selbständig über etwas nachzudenken, schwächen könnten. Besorgniserregend ist auch, dass 28 Prozent der Befragten glauben, ihre Eingaben in KI-Chatbots seien vertraulich und könnten von niemandem eingesehen oder genutzt werden. Nahezu die Hälfte (48%) geht davon aus, dass andere Jugendliche persönliche Daten mit KI-Systemen teilen. Mehr als ein Viertel (28%) vertraut KI-Chatbots sogar intime Inhalte an.
Bildung zu KI erwünscht
Insgesamt stehen Jugendliche Künstlicher Intelligenz überwiegend positiv beziehungsweise neutral gegenüber – sowohl mit Blick auf die Gesellschaft als auch auf den persönlichen Nutzen. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Orientierung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Mehr als die Hälfte der Befragten (53%) würde gerne besser verstehen, wie KI eigentlich arbeitet. Tatsächlich hat knapp die Hälfte der Jugendlichen (48%) bislang noch nie die Funktionsweise von KI-Systemen altersgerecht erklärt bekommen. Dabei sehen Jugendliche vor allem das Bildungssystem in der Verantwortung: Zwei Drittel (66%) erwarten sich Unterstützung durch die Schule, ein Drittel (33%) von den Eltern. Die Ergebnisse machen deutlich: Jugendliche wünschen sich nicht nur Regeln, sondern vor allem fundierte Bildung, um KI sicher und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Über die Studie:
Die Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt. Im Befragungszeitraum (Oktober/November 2025) nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich wurden zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren durchgeführt.
Workshops zu Künstlicher Intelligenz:
Wir bieten verschiedene Workshops zum Thema Künstliche Intelligenz für Lehrende an. Die Teilnahme ist kostenlos.
- KI-Spielwiese: Probieren, Prompten, Planen (Präsenz): 3.3.2026 & 5.5.2026
- Unterrichtsvorbereitung mit KI (Online): 17.3.2026
- Künstliche Intelligenz verstehen und anwenden (Präsenz): 22.4.2026