Projektorientierte Medienerziehung

Die projektorientierte Medienarbeit ermöglicht Kindern im gemeinsamen Tun Medien vielfältig zu erleben und zu gestalten. Was dabei zu beachten ist.

Projektarbeit ist ...

Projektarbeit ist eine ganzheitliche Lernform, die den Kindern viel Freiraum zur Mitbestimmung und -gestaltung lässt. Die Arbeit in der Gruppe, Kommunikation und Kooperation stehen im Mittelpunkt. Gemeinsam wird nach Lösungswegen gesucht und so das Wissen und Können erweitert. Das Lernen ist handlungsorientiert und passiert in der vielseitigen und kreativen Beschäftigung mit einem Thema.

Daher eignet sich die Projektarbeit auch so gut für die Auseinandersetzung mit Medien. Medien können so durch gemeinsames Tun vielfältig erlebt und gestaltet werden.

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Projektarbeit ist kindorientiert.

Das Projekt folgt bestimmten Arbeitsschritten – von der Ideensammlung und der Planung über die Durchführung bis hin zur Präsentation der Ergebnisse. Die Kinder sind in alle Projektphasen aktiv eingebunden bzw. gestalten diese nach ihren individuellen Möglichkeiten mit. Idealerweise übernimmt die pädagogische Fachkraft die Aufgabe des Begleitens und Unterstützens. In der Projektarbeit werden verschiedene Bildungsbereiche miteinander vernetzt, wodurch die Förderung unterschiedlicher Kompetenzen möglich wird. 

Nicht das Ergebnis, sondern die Auseinandersetzung mit dem Thema steht im Mittelpunkt. Bei der Durchführung eines Medienprojekts geht es also nicht darum, ein möglichst perfektes und hochwertiges Produkt zu liefern. Vielmehr soll den Kindern die Möglichkeit geboten werden, sich je nach Entwicklungsstand selbständig, aktiv und kreativ mit Medien auseinanderzusetzen und mit ihnen zu experimentieren. 

Was ist vor der Durchführung eines Medienprojekts zu überlegen?

  • Welches Thema soll bearbeitet werden?
  • Welcher Bereich der Medienkompetenz soll gefördert werden?
  • Wo stehen die Kinder bzw. welche Vorkenntnisse haben sie?
  • Was sind die Lernziele?
  • Welche Rolle sollen Medien spielen - wird über oder mit Medien gelernt?
  • Wie viel Zeit soll eingeplant werden?
  • Welche Materialien, technischen Geräte und Medien werden benötigt?
  • Welche Methoden sollen zum Einsatz kommen (Gruppen-, Partner-, Einzelarbeit, Einbeziehung der Eltern, Spiele etc.)?
  • Wie, wo und wem sollen die Ergebnisse präsentiert werden?

Von der Idee zur Durchführung eines Projekts – die einzelnen Arbeitsschritte

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Auch an Ideenfindung und Planung sind die Kinder aktiv beteiligt!

Ideenfindung

Die Idee kommt entweder von Seiten der Kinder, indem die pädagogische Fachkraft die Interessen der Kinder aufgreift, oder von Seiten der pädagogischen Fachkraft selbst, um ein bestimmtes Thema bereichsübergreifend bearbeiten bzw. bestimmte Schwerpunkte setzen zu können. Das Thema sollte sich aber immer an der Lebenswelt der Kinder orientieren, das heißt ihrem Entwicklungsstand, ihren Interessen und den Fragen, mit denen sie sich gerade beschäftigen, entsprechen.

Planung

Die Planung von Seiten der pädagogischen Fachkraft umfasst einen groben Zeitrahmen, die Formulierung von Bildungszielen und Inhalten, die Art der Präsentation der Ergebnisse sowie die Organisation von Ausflügen, nötigen Materialien und Medien  etc.

Diese wird durch  eine Planung, an der auch die Kinder teilhaben, ergänzt. Mit ihnen gemeinsam können die Aktivitäten während des Projekts und mögliche Fragen besprochen werden. Die Kinder können dabei eigene Ideen einbringen und Wünsche äußern.

Vorbereitung

Nun geht es an das Sammeln von Informationen, wobei möglichst verschiedene Quellen benutzt werden sollen. Die pädagogische Fachkraft muss sich überlegen, wie sie hier Kinder, die noch nicht lesen können, möglichst stark einbeziehen kann – etwa durch Anschauen von Bilderbüchern und kindgerechter Informationssendungen, Suchen nach Bildern im Internet sowie Spiele und Mal- und Bastelarbeiten.

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Die Kinder dokumentieren die Arbeitsschritte selbst - zB mit der Kamera.

Durchführung bzw. Hauptphase

In der Hauptphase des Projekts bearbeiten die Kinder das Thema auf möglichst vielfältige Weise. Die pädagogische Fachkraft  muss den Kindern verschiedene Möglichkeiten und Anreize bieten, um ganzheitlich lernen, unterschiedliche Kompetenzen fördern und zahlreiche Bildungsbereiche miteinander vernetzen zu können.

Die Handlungs- bzw. Lernphasen wechseln sich dabei immer mit Reflexionsphasen ab, in denen das Gelernte gemeinsam besprochen wird und die Kinder die Möglichkeit haben, offene Fragen zu klären bzw. Wünsche zur weiteren Vertiefung des Wissens zu äußern. Idealerweise dokumentieren die Kinder ihre Arbeitsschritte selbst - etwa durch Zeichnungen oder mit Hilfe der Digitalkamera.

Abschluss bzw. Endphase

Ein Projekt darf nicht einfach aufhören. In der Endphase geht es um die Präsentation der Ergebnisse, sowie um die Reflexion der Aktivitäten und des Gelernten. Besonders nachhaltig wirken die Ergebnisse, wenn diese im Rahmen eines Festes oder einer anderen Veranstaltung der Öffentlichkeit bzw. den Familien der Kinder vorgestellt werden. 

Best Practice-Kriterien nach Norbert Neuß

Nach den von Prof. Dr. Norbert Neuß aufgestellten Kriterien für Best-Practice-Projekte sind folgende Fragen bei der projektorientierten Medienarbeit im Kindergarten zu beantworten:

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Best Practice-Kriterien für Medienprojekte
  • Werden Eltern in das Projekt einbezogen?
  • Lernen die Kinder durch das Projekt etwas Neues bzw. wird ein neuer Bereich der Medienkompetenzförderung bearbeitet?
  • Wird das Projekt dokumentiert und einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert, um so für Nachhaltigkeit zu sorgen?
  • Sind die Ziele pädagogisch durchdacht und differenziert?
  • Knüpft das Projekt an Vorangegangenes an?

 

 

 

(vgl. Neuß "Medienkompetenz in der frühen Kindheit" in "Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche - Eine Bestandsaufnahme" des deutschen Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend; www.medienkompetenzbericht.de/Medienkompetenzfoerderung_fuer_Kinder_und_Jugendliche.pdf)


Webtipp:

Zu den Medienprojekten auf MeKi

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