Tablet, Taster und Symbole: Unterstützte Kommunikation

Wir waren zu Besuch im Haus Franklinstrasse 28 der MA 10 Wiener Kindergärten im 21.Bezirk und haben spannende Einblicke in die Arbeit mit unterstützter Kommunikation einer heilpädagogischen Kindergartengruppe bekommen.

© Lisa PollakWiener Bildungsserver

Der Kindergarten in der Franklinstrasse arbeitet täglich mit Tablets. Und das aus einem bestimmten Grund:                   Der Standort mit fünf Gruppen (drei Integrationskindergartengruppen, eine heilpädagogische Kindergartengruppe und ein heilpädagogischer Hort) hat sich dieses Jahr den Schwerpunkt „unterstützte Kommunikation“ gesetzt. Bereits seit Längerem setzen sich Doris P. und Tanja A., die Pädagoginnen der heilpädagogischen Kindergartengruppe, mit dem Thema auseinander. Hier ein Einblick in die tägliche Arbeit.

Unterstützte Kommunikation – was ist das?

Unterstützte Kommunikation ist eine „alternative Kommunikationsform“ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Besonders für Menschen, die nicht oder nur wenig sprechen können, körperlich und/oder geistig beeinträchtigt und dadurch in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind. Ziel des Einsatzes von unterstützter Kommunikation ist es besser zu verstehen und verstanden zu werden und dadurch die Teilhabe an der Gesellschaft und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Laut dem Verein "Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation" „orientiert sich [unterstützte Kommunikation] an einem humanistischen Menschenbild und betont das Recht eines jeden Menschen auf Selbstbestimmung und Partizipation. Unterstützte Kommunikation geht davon aus, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach Kontakt und Kommunikation hat."

Hilfsmittel der unterstützten Kommunikation können unterschieden werden in:

  • Einfache elektronische Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, Batterieunterbrecher)
  • Komplexe elektronische Kommunikationshilfen (Tablet, PC) 
  • Nicht-elektronische Kommunikationshilfen (Symbole)

Diese Hilfsmittel unterstützen und ergänzen die individuelle Art zu kommunizieren und werden im Alltagsgeschehen integriert.

Die Basis der Kommunikation sind Symbole

© Lisa PollakWiener Bildungsserver
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Beim Betreten des Kindergartens in der Franklinstrasse, fällt sofort auf, dass hier jede Türe nicht nur beschriftet ist, sondern auch durch ein Piktogramm (auf Kinderaugenhöhe) gekennzeichnet ist. Den Pädagoginnen des Hauses ist es sehr wichtig Symbole in den Alltag zu integrieren, da sie auf einfache Art und Weise die Kommunikation unterstützen und auch zur Kommunikation anregen. In der Gruppe angekommen, bemerkt man sofort wie vielfältig diese eingesetzt werden können. Mit Klettverschluss oder Magnet versehen, finden sich überall im Raum Symbolkärtchen, welche die Kinder zur Kommunikation nutzen können, unter anderem am Türrahmen, auf der Toilette, am Tisch oder als  Kommunikationstafel. Ganz wichtig ist den Pädagoginnen aber auch die lautsprachliche Begleitung der Symbole.

 

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Kalender mit Symbolen zur Elternarbeit

Doris P. und Tanja A. benutzen hierfür „Metacom“ Symbole. Mittlerweile gibt es 10 000 verschiedene Metacom Symbole die von Anette Kitzinger, Grafikerin und selbst Mutter eines beeinträchtigten Mädchen gestaltet worden sind. Dies sind klar erkennbare und gut merkbare Symbole auf weißem Hintergrund (siehe Foto).

Auch für die Eltern haben sich die Pädagoginnen der heilpädagogischen Kindergartengruppe etwas ausgedacht. Jedes Kind besitzt einen eigenen Kalender, welcher täglich mit Symbolen, die die Höhepunkte im Tagesablauf der Kinder zeigen, ergänzt wird. Zu Hause bietet dieser wiederum Anlass für ein Gespräch und auch die Eltern kommen mit den Symbolen in Berührung.

„Die Metacom Symbole sind frühe entwicklungsbegleitende Hilfen zum Verstehen und zum Verständigen der Kinder.“ sagt Doris P. und zeigt auch den Aufsteller, den sie für ein autistisches Kind erarbeitet hat und der mit Symbolen in einer bestimmten Reihenfolge befüllt werden kann. Symbole helfen Abläufe für die Kinder überschaubar zu machen, zu strukturieren und dienen als visuelle Unterstützung. Dies gibt den Kindern Orientierung und Motivation.

Symbolen eine Stimme geben – der Taster

Gerne werden Symbole auch in Kombination mit anderen Hilfsmitteln eingesetzt. So findet man zum Beispiel am Eingang einen „besprechbaren“ Taster mit einem Symbol eines winkenden Kindes. Dieser wurde von den Pädagoginnen mit „Guten Morgen“ besprochen. Wenn das Kind in der Früh die Gruppe betritt, kann es dadurch signalisieren „Hallo, ich bin jetzt auch da!“. Ebenso werden diese besprechbaren Taster zur Begleitung von Bilderbüchern, Lieder uvm. eingesetzt. Der Fantasie sind hierbei keine Grenze gesetzt. Mit einer anderen Form von Tastern, können die Kinder verschiedene elektronische Geräte wie Lichter im Snoezeleraum oder den Mixer bedienen.

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Guten Morgen & Tschüss Taster
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Snoezeleraum

Das Tablet

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Von Anfang an fällt gleich ein Symbol in der Gruppe auf, welches normalerweise nicht im Kindergarten zu finden ist - das Tablet. Im Kindergarten in der Franklinstrasse gehört dieses schon seit mehreren Jahren zum Inventar und ist nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.
„Das Tablet ist eine sinnvolle Unterstützung, da wir auch hier alle Metacom Symbole zur Verfügung haben und  die App Go Talk Now enorm viele Möglichkeiten bietet.“ sagt Doris P. Sie schnappt sich das Tablet, welches immer in der Gruppe ist und erklärt, dass sie hauptsächlich mit dieser App arbeitet, da sie „gängige Spiele“ meistens eher wenig adaptierbar und individualisierbar findet. Die "Go Talk Now App" kann jede/r PädagogIn mit seinen/ihren Inhalten und Angeboten verbinden und kennt dabei kaum Grenzen, denn es können Bilder und Videos eingefügt werden oder auch eigene Sprechtafeln erstellt werden. Ebenso hat diese App einen umfangreichen geführten Zugriff eingebaut. Es kann eingestellt werden, dass Kinder die App nicht verlassen können und sie auch zeitlich begrenzen. In diesem Haus wird ein iPad mit einer stoß- und flüssigkeitsfesten Hülle benutzt.

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Tanja A. und Doris P. kombinieren gerne verschiedene Medien. Buch und Taster, Buch und Tablet -  wichtig ist, dass die Kinder aktiv werden können, interaktive Aufgaben gestellt bekommen und nicht nur konsumieren. Wir konnten bei zwei verschiedenen Angeboten mit dem Tablet live dabei sein. Bei einem wurde ein Bilderbuch am Tablet zu einem kurzen Bilderbuchkino, beim Anderen konnte ein Kind passend zum Inhalt des Buchs einfache Aufgaben am Tablet lösen. Die Kinder waren sichtlich begeistert. Sehr praktisch finden die Pädagoginnen, dass es zwei verschiedene Möglichkeiten gibt, die Angebote in der App zu versprachlichen -  entweder durch die Aufnahme ihrer eigenen Stimme oder einer synthetisierten Stimme.

Fazit

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Das Tablet ist eine von vielen Methoden im Kindergarten, aber der Einsatz hängt vom jeweiligen Schwerpunkt der/des PädagogIn ab. Nicht jeder möchte und braucht ein Tablet in ihrer/seiner Gruppe.
„Ich musste mich anfangs wirklich viel mit dem Medium beschäftigen und es hat einige Zeit in Anspruch genommen. Doch für uns ist es eine super Unterstützung im Alltag und daher nicht mehr wegzudenken, denn mit ein paar Klicks kann ich neue Inhalte kreieren ohne etwas ausdrucken und lange basteln
zu müssen.“  findet Doris P. und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Für mich ist das Tablet eine sinnvolle zeitmgemäße Ergänzung im Kindergartenalltag. Dadurch können unterstützt kommunizierende Menschen auf ihre Art und Weise unabhängig kommunizieren - auch mit fremden Menschen.“

Es soll damit der Grundstein für das weitere Leben der Kinder gesetzt werden. Das Haus in der Franklinstrasse ist sich der Vorreiterrolle bewusst, welche auch dank der Unterstützung seiner Leitung Fr. Schabauer-Ammicht ermöglicht wurde.


Ideen
BildDB