Kinderzeitschriften - Unterhaltung und Lernen

Kinderzeitschriften in der Medienpädagogik - Was eine gute Kinderzeitschrift ausmacht und wie sie zur Förderung der Medienkompetenz beitragen kann.

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Kinder nutzen Zeitschriften zur Unterhaltung und zum Lernen.

Auch wenn Vorschulkinder meist über keine oder nur rudimentäre Lesekenntnisse verfügen, nutzen sie Zeitschriften zur Unterhaltung, aber auch zum Lernen. Das haben nicht nur die Zeitungsverlage erkannt, die nun vermehrt Angebote für diese Zielgruppe schaffen. Sind sie nicht zuletzt die LeserInnen und somit die KonsumentInnen und AbonentInnen von morgen.

Zeitschriften werden meist als Sekundärmedien genutzt – also nebenbei - das ist auch bei Kindern nicht anders. Trotzdem können sie als Werkzeuge zur Förderung der Lesekompetenz bzw. zum Wecken des Interesses am Lesen eingesetzt werden. Den großen Vorteil, den Zeitschriften im Gegensatz zu Büchern haben, ist der, dass quergelesen werden kann. Die Kinder können sich einzelne Themen und kurze Geschichten, die sie interessieren, herauspicken und lesen bzw. vorlesen lassen. Das fördert den Spaß am Lesen und verhindert, dass sich Kinder gerade zu Beginn des Lesenlernens überfordert fühlen. Kinder, die sich regelmäßig mit Kinderzeitschriften beschäftigen, greifen auch häufiger zu Büchern und nutzen öfter Hörspiele und DVDs.

Was macht eine (gute) Kinderzeitschrift aus?

Kinderzeitschriften sind bunt gestaltet, da auffällige Farben die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen. Außerdem gibt es oft eine Leitfigur, die durch die Zeitschrift führt. Meist handelt es sich dabei um ein Tier, ein Fantasiewesen oder um eine Medienfigur, die die Kinder etwa aus dem Fernsehen kennen. Beispiele für Leitfiguren:

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"starke" Tiere wie Dinos
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bekannte Medienfiguren
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bunte Fabelwesen
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coole Roboter

Die Leitfiguren orientieren sich oft an dem Geschlecht der Zielgruppe und fördern so stereotype Rollenbilder. So werden etwa Einhörner bzw. Pferde eher in "Mädchen-" und Roboter eher in "Bubenzeitschriften zu finden sein. Um sich ein Bild über die Qualität der Zeitschrift zu verschaffen, ist es ratsam, sich die Rollenbilder, die in der Zeitschrift vermittelt werden, anzuschauen: Welches Geschlecht herrscht vor und welche Aufgaben werden ihm zugeschrieben? Idealerweise werden weibliche und männliche Figuren gleichberechtigt dargestellt. Abenteuerlustig, ängstlich, aktiv oder intelligent sind keine geschlechtsbezogenen Eigenschaften – und das sollte auch Kindern so vermittelt werden. 

Kinderzeitschriften leben nicht nur vom Text, sondern vor allem auch von den Bildern. Gerade für LeseanfängerInnen sind Fotos, Zeichnungen und Graphiken wichtig für das Verständnis. Sie erklären den Text und/oder liefern zusätzliche Informationen. Das Verhältnis von Text zu Bild sollte jeweils an die Altersgruppe und damit die Lesekenntnisse und Konzentrationsdauer der Kinder angepasst sein.

Die Auswahl der Themen sollte sich an den Interessen der Kinder orientieren. Geschichten, die aus der Lebenswelt der Kinder gegriffen sind, sprechen die Zielgruppe automatisch an. Idealerweise werden die Kinder dazu motiviert sich mit den Inhalten weiter zu beschäftigen – sei es durch Bastelanleitungen, Spielbeschreibungen oder Anleitungen für Experimente.

Auch aktuelle Ereignisse können in Kinderzeitschriften  - altersgerecht aufgearbeitet – thematisiert werden. Kinder erfahren dadurch nicht nur Neuigkeiten aus der ganzen Welt, sondern werden auch zum Nachdenken über das Miteinander und das Finden eigener Problemlösungsstrategien angeregt – sei es bei Fragen rund um den Umweltschutz oder das Zusammenleben in unterschiedlichen Familienformen und Kulturen. Sieht man sich die Kinderzeitschriftenlandschaft an, wird dieses Potential aber leider nur selten genutzt.

Werbung und Rollenklischees als Lernchancen

Nicht zuletzt enthalten Zeitschriften immer auch Werbung. Da dieses Medium nicht nur viele Leute erreicht, sondern sie auch zielgruppenspezifisch anspricht, eignet es sich besonders gut als Werbeinstrument. Ausschlaggebend für die Qualität von Kinderzeitschriften sind das Verhältnis zwischen tatsächlichen Inhalten und Werbung und deren auch für Kinder eindeutige Abgrenzung voneinander. Das Problem ist allerdings, dass es sich bei Zeitschriften für Vorschulkindern besonders häufig um Merchandising-Produkte beliebter Kinderserien und Kinofilmen handelt. Sie beinhalten vergleichsweise die meiste Werbung.

Kinderzeitschriften fördern oft stereotype Rollenbilder. Zeitschriften für Buben werden eher in der Farbe Blau gehalten und thematisieren Technik, Wissenschaft oder Abenteuer. Die Farbe Rosa und Themen wie Pferde, Freundschaft und Aussehen dominieren in denjenigen für Mädchen. 

Werbung und Rollenklischees in Kinderzeitschriften sind zwar alles andere als optimal, können aber dennoch zum Lernen beitragen – wenn sie in der pädagogischen Einrichtung bzw. in der Familie thematisiert werden. So bekommen die Kinder die Möglichkeit sich damit bewusst, aktiv und kritisch auseinanderzusetzen.

Ideen für die Medienpraxis

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Über Medien lernen - Zeitschriften analysieren

Sammeln Sie mit Hilfe der Eltern Kinderzeitschriften. Die Kinder untersuchen diese gemeinsam nach ihren Inhalten. Was ist darin zu finden? Unterschiedlich große Fotos, Zeichnungen und Graphiken, kleine & große Buchstaben, Texte und Überschriften, bekannte Serienfiguren & Tiere, Werbung etc. Lassen Sie die Kinder ausschneiden, was ihnen besonders gut gefällt und was sie gar nicht mögen und gestalten Sie gemeinsam zwei Plakate. Die Plakate bieten Gesprächsanlass: Die Kinder präsentieren ihre ausgewählten Inhalte und erzählen, warum sie sich gerade für diese entschieden haben. Im Anschluss kann besprochen werden, worum es sich bei den ausgeschnittenen Inhalten handelt – um redaktionellen Inhalt oder Werbung, um Texte oder Bilder, um Fotos oder Zeichnungen. Die Übung kann Ausgangspunkt für weitere Auseinandersetzungen mit Kinderzeitschriften sein.

Als Superheld verkleidetes Kind
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MedienheldInnen

Jedes Kind hat seine bzw. seinen persönlichen Medienheld bzw. Medienheldin. Welche Bedeutung MedienheldInnen für Kinder haben, lesen Sie im MeKi-Artikel: Die Medienhelden der Kinder.

Die MeKi-Praxisideen: Medienhelden – Ein Gespräch, Was der Medienheld erzählt und Serientag im Kindergarten geben den Kindern die Möglichkeit sich aktiv und kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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Rollenbilder & kreatives Gestalten

Verschiedene Kinderzeitschriften dienen als Anschauungsmaterial und geben Gesprächsanlass:

  • Welche Zeitschrift gefällt dir besonders gut?
  • Was gefällt dir daran?
  • Für wen ist die Zeitschrift gedacht? Für Erwachsene oder für Kinder? Für Mädchen oder für Buben?

Lassen Sie die Kinder ihre Meinungen und Aussagen immer auch begründen! Regen Sie die Kinder schließlich dazu an in ihren Lieblingsfarben ein Zeitschriften-Cover (oder auch mehrere Seiten) zu gestalten, die ihre Interessengebiete widerspiegeln. Das können sie analog mit Stiften und Papier oder digital - etwa mit der kostenlosen Malsoftware TuxPaint - machen. 

Die Ergebnisse präsentieren die Kinder selbst. Nun kann reflektiert werden: 

  • Wofür interessieren sich Kinder?
  • Sind die Themen sehr vielfältig? Und lassen sie sich nach Kriterien wie Alter oder Geschlecht einteilen?
  • Sind Gestaltung und Lieblingsthemen wirklich davon abhängig, ob man ein Bub oder ein Mädchen ist?
  • Darf sich ein Mädchen auch für Autos und ein Bub für Pferde interessieren?
  • Warum glaubst du ist das so?

Tipp: Für die Vermittlung von Genderkomeptenz stellen die Büchereien Wien die Themenbox GENDER MATTERS zur Verfügung. Sie kann unter www.bpz.buechereien.wien.at bestellt und kostenlos entlehnt werden.

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Werbung

Werbung erkennen – sei es im alltäglichen Leben, im Fernsehen oder in Zeitschriften – ist oft gar nicht so einfach. Und was will Werbung überhaupt? MeKi bietet Ihnen unter Praxisideen Werbung und Internet Ideen zur vielfältigen Beschäftigung mit dem Thema Werbung und Förderung der kindlichen Medienkompetenz an.

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