Die Medienhelden der Kinder

Welche Bedeutung haben Medienhelden für Kinder? Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede? Und wie haben sich die Vorlieben im Laufe der Zeit gewandelt?

Medienhelden sind Identifikationsfiguren

Medienhelden sind starke Identifikationsfiguren der Kinder, auf die sie eigene Wünsche, Träume und Ängste projizieren. Sie können den Kindern helfen Konflikte und belastende Themen aufzuarbeiten und ihnen Sicherheit geben. Lernen wir die persönlichen Medienhelden der Kinder kennen, erfahren wir gleichzeitig auch etwas über das Kind selbst: welche Themen beschäftigen es, welche Ängste, Interessen und Vorbilder hat es und wohin möchte es sich entwickeln. Eine offene und wertfreie Haltung gegenüber den Medienvorlieben der Kinder sowie das Zeigen echten Interesses sind daher unerlässlich.

Winnie Puuh
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Der ideale Medienheld

An besonderer Beliebtheit unter den Kindern erfreuen sich nicht so sehr Medienhelden, die Superkräfte besitzen und unfehlbar sind, sondern vielmehr die nicht ganz so perfekten Charaktere, die tollpatschig oder chaotisch, aber trotzdem liebenswert sind. Gerade diese Schwächen machen sie sympathisch, sorgen oftmals für lustige Szenen und bringen Kinder zum Lachen. Vor allem aber können sich Kinder mit ihnen leichter identifizieren. 

Superhelden
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Geschlechtsspezifische Unterschiede

Kindersendungen sind stark geschlechtsspezifisch ausgerichtet. In Sendungen für Mädchen agieren weibliche Figuren. Beliebte Themen sind Freundschaft, Pferde, Musik und Magie. Sendungen, die speziell für Buben produziert werden, behandeln eher Themen wie Rivalität und Stärke. Es geht häufiger um Kämpfe und körperliche Auseinandersetzungen. Das spiegelt sich auch in den bevorzugten Medienhelden der Kinder wider. Auch wenn weibliche Helden sehr wohl auch emanzipiert auftreten, enthalten Kindersendungen immer wieder Klischeebilder, die zeigen, wie ein Bub bzw. ein Mädchen auszusehen, welche Vorlieben und Interessen es zu haben und wie es sich zu verhalten hat.

Daher ist es wichtig, als PädagogIn den Einfluss dieser Identifikationsfiguren auf die Kinder zu beobachten: Wie wirkt sich dieser auf deren Entwicklung aus? Wo schränkt er sie eher ein, wo wirkt er sich positiv aus? Greifen Sie Themen, die die Kinder besonders beschäftigen auf und bearbeiten Sie diese gemeinsam mit den Kindern. Bleiben Sie mit den Kindern im Gespräch, bieten Sie Möglichkeiten der Verarbeitung von Medienerlebnissen an und unterstützen Sie sie so bei ihrer Beschäftigung mit wichtigen Entwicklungsaufgaben.

Medienhelden damals und heute

Viele Sendungen, die wir Erwachsenen noch aus unserer Kindheit kennen, flimmern auch heute noch über den Bildschirm - nicht selten entsprechend adaptiert bzw. computeranimiert. Wickie, Biene Maya und Bibi Blocksberg spielen auch heute noch eine Rolle, andere  - wie Spongebob Schwammkopf, Prinzessin Lillifee oder Bob der Baumeister - sind hinzugekommen.

Der große Unterschied zu damals liegt allerdings darin, dass Kindersendungen heute oft in Kombination mit einer ganzen Reihe an Merchandising-Produkten und anderen Medien wie Hörspiel-CDs, DVDs und Zeitschriften auftreten. Manche Kindersendungen wie beispielsweise Pokemon oder Yu-Gi-Oh! sind deshalb so beliebt, weil sie auf Spielkarten basieren, die gekauft werden können und das Nachspielen der Szenen ermöglichen.

Das stellt uns vor eine neue Herausforderung: Kinder müssen Werbung durchschauen und ihre Funktion verstehen lernen, um dieser Flut an Produkten selbstbestimmt begegnen zu können.

Was bedeutet das für die Medienerziehung im Kindergarten?

  • Machen Sie Medienhelden zum Thema! Regen Sie die Kinder an über ihre persönlichen Medienhelden zu sprechen, sie zu zeichnen, zu basteln oder als Protagonisten in einem Spiel oder einem kurzen Videoclip auftreten zu lassen.
  • Zeigen Sie echtes Interesse und vermeiden Sie Vorurteile! Die persönlichen Medienhelden der Kinder sagen viel über sie selbst, deren Vorlieben und Ängste aus.
  • Bearbeiten Sie gemeinsam mit den Kindern das Thema Werbung – im Fernsehen, im Radio, in Zeitschriften, auf Plakaten, im Internet sowie in Form von Merchandising-Produkten. Kinder müssen lernen, Werbung und ihre Absichten zu erkennen.
  • Unterstützen Sie die Kinder beim Aufbau ihrer Geschlechtsidentität und stellen sie veraltete Rollenbilder in Frage! Die Education Box der Stadt Wien bietet Ihnen zu diesem Thema umfangreiche Infos und Materialien.

Webtipp:

Die Education Box der Stadt Wien zum kostenlosen Download.

Ideen und Anregungen, wie Sie diese Themen praktisch umsetzen und mit den Kindern bearbeiten können, finden Sie unter dem Menüpunkt Medienpraxis!

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