Das Fernsehen als Leitmedium

Das Fernsehen ist fester Bestandteil des Medienalltags der Kinder. Schon früh entwickeln sie persönliche Vorlieben. Welchen Einfluss das Fernsehen auf die Kinder ausübt, hängt dabei von mehreren Faktoren ab.

Kind vor dem Fernseher
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4- bis 5-Jährige sehen im Schnitt eine Stunde pro Tag fern.

Lieblingsbeschäftigungen der Kinder

Das Fernsehen ist für Kinder besonders attraktiv, da es Spaß und Unterhaltung verspricht und gleichzeitig die Handhabung sehr einfach ist. Die selbständige Nutzung ist praktisch von Angfang an möglich. Annähernd jedes Kind bis zum vierten Lebensjahr hat bereits Erfahrungen mit dem Medium Fernsehen gemacht.

Stellt für Zwei- bis Dreijährige das Buch das Leitmedium dar, ist es für Vier- bis Fünfjährige bereits das Fernsehen. Im Durchschnitt nutzen Kinder dieser Altersgruppe den Fernseher eine Stunde pro Tag - und somit länger als jedes andere Medium. Zwei- bis Dreijährige kommen auf etwa 30 Minuten täglich (vgl. Medienpädagogischer Fachverband Südwest, miniKIM-Studie 2012).

Gleichzeitig gehören Freizeitbeschäftigungen wie  "draußen spielen", "Freunde treffen" und "Zeit mit der Familie verbringen" nach wie vor zu den Lieblingsbeschäftigungen der Kinder. Bei den 6- bis 10-Jährigen geht der Fernsehkonsum sogar etwas zurück, gleichzeitig steigt aber die Internet- und Smartphonenutzung (vgl. Vierte Oberösterreichische Kinder-Medien-Studie 2014).

Filme und Sendungen werden heute aber nicht nur mehr über das Fernsehen konsumiert, sondern auch über DVD-Player, Handy oder Tablet. Das bedeutet einerseits, dass die Inhalte ständig verfügbar sind, andererseits ist man dadurch nicht an bestimmte Sendezeiten gebunden und kann das Familienleben unabhängig davon planen.  Das Fernsehen ist in das Alltagsleben der Kinder integriert und darf daher in der pädagogischen Arbeit nicht einfach ausgeblendet werden.

Fernbedienung
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Zu den Lieblingssendungen der Kinder zählen nicht nur Kinderprogramme.

Vorlieben der Kinder

Heutzutage gibt es eine breite Auswahl an Sendungen, die sich speziell an Kinder richten. Kanäle wie KIKA und SUPER RTL haben sich sogar rein auf Kinderfernsehen spezialisiert. Fiktionale Geschichten, die in Form von Zeichentrick oder auf andere Weise animiert erzählt werden, sind am beliebtesten. Nach wie vor finden aber auch Sendungen, die Wissen vermitteln wollen, Interesse - seien es die "Sendung mit der Maus", "Wissen macht Ah!" oder "Hallo Okidoki". Ihr Erfolg liegt darin, dass von den Interessen der Kinder ausgegangen wird, Bildungsinhalte mit Spaß und Unterhaltung kombiniert und die Kinder selbst zum Forschen und Experimentieren angeregt werden.

Beachtet man allerdings, dass Kinder vor allem Sendungen schauen, die für Erwachsene konzipiert sind - so etwa Casting- und Quizshows, Sportsendungen etc. - wird deutlich, wie wichtig das gemeinsame Gespräch über Medieninhalte zwischen Kindern und Erwachsenen ist. Nur so können Kinder Distanz zum Gesehenen schaffen und dieses entsprechend bewerten und verarbeiten. Zur Medienerziehung des Kindergartens gehört es also auch, Eltern bewusst zu machen, wie wichtig es ist, mit ihren Kindern im Austausch über Medieninhalte zu bleiben und sie nicht mit den Eindrücken und damit in Verbindung stehenden Emotionen allein zu lassen.

Einfluss des Fernsehens auf die Kinder

Das Fernsehen arbeitet mit Bildern, die eine starke Wirkung auf uns ausüben können. Inhalte, die uns besonders ansprechen, bleiben uns in Erinnerung. Zudem können über dieses Medium Sachverhalte anschaulich erklärt werden: Es können Dinge vorgemacht und gezeigt werden und Kinder so zum Nachmachen und selbständigen Ausprobieren animiert werden. Das kann einen Vorteil haben, wenn es um Bildungsinhalte geht, aber natürlich zum Nachteil werden, wenn problematische, für Kinder nicht geeignete Inhalte konsumiert werden.

Abhilfe schafft das gemeinsame Fernsehen von Kindern und Eltern sowie das Sprechen über die Inhalte. Gerade junge Kinder sollten vor dem Bildschirm nicht alleine gelassen werden. Aus diesem Grund ist auch davon abzuraten, Kindern im Vor- bzw. Grundschulalter einen eigenen Fernseher ins Kinderzimmer zu stellen.

Das Fernsehen zeigt uns oft ein Bild unserer Welt, das mit der Realität nur wenig zu tun hat: stereotype Rollenbilder, heile Traumwelten, vermeintlich erstrebenswerte Ziele usw. Auch hier liegt es in unserer Verantwortung, Kindern das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, um diese Inhalte kritisch hinterfragen und Distanz schaffen zu können.

Da gerade Vorschulkinder noch über ein sehr egozentrisches Weltbild verfügen, erleben sie das Geschehen im Fernsehen beinahe distanzlos und besonders intensiv. Sie erleben sich selbst als Teil der Geschichte. Wie das Gesehene wahrgenommen wird und welchen Einfluss es auf die Kinder ausübt, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • vom Alter und Entwicklungsstand der Kinder
  • von den situativen Bedingungen während der Mediennutzung – also etwa, ob das Kind seine Eltern in der Nähe weiß oder alleine ist. Das macht deutlich, wie wichtig die Begleitung der Kinder während der Mediennutzung sowie der Austausch über das Gesehene sind.
  • vom konsumierten Inhalt - besondere Wirkung haben solche Fernseherlebnisse auf Kinder, die Themen ansprechen, die sie entwicklungsbedingt gerade beschäftigen. Mit Hilfe des Gesehenen arbeiten die Kinder dieses besondere Thema noch einmal durch.
  • vom persönlichen sozialen Umfeld - also wie in der Familie mit Medien umgegangen wird, ob gemeinsame Gespräche geführt werden, ob es gemeinsame Aktivitäten abseits des Fernsehens gibt etc.

Das Bildungspotenzial von Fernsehsendungen ist nach wie vor umstritten, vor allem was den Spracherwerb der Kinder betrifft. Sicher ist hingegen, dass die Entfaltung dieses Potentials durch pädagogische Begleitung und Aufarbeitung der Medieninhalte gefördert werden kann.

Fernsehen ist fester Bestandteil des Medienalltags der Kinder. Zur Aufgabe von Bildungseinrichtungen gehört es daher, ihnen beim Aufbau der nötigen Kompetenzen zu helfen, um mit dem Medium verantwortlich, selbständig und reflektiert umgehen zu können. Kinder sollen erkennen können, dass das Fernsehen etwas von Menschen Gemachtes ist und seine Bilder und Inhalte nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun haben müssen. Auf diese Weise lernen sie allmählich seine Funktionsweise und den Einfluss, den es auf uns ausüben kann, verstehen.

Da die Kinder den Großteil ihrer Erfahrungen innerhalb der Familie machen, ist es unumgänglich die Eltern in die Medienerziehung miteinzubeziehen und ihnen ihre Vorbildrolle bei der Entwicklung der Medienkompetenz ihrer Kinder klarzumachen, sie bei Fragen und Unsicherheiten zu unterstützen und ihnen Anregungen für gemeinsame kreative (Medien-)Aktivitäten zu geben.


Webtipp:

Zu den MeKi-Praxisideen rund um Video & Fernsehen

Die miniKim-Studie 2012 des Medienpädagogischen Fachverbands Südwest zum Nachlesen.

Die 4. Oberösterreichische Kinder-Medien-Studie 2014 der Education Group zum Nachlesen.

Flimmo - ein Projekt des Vereins Programmberatung für Eltern e.V. - will Elementarpädagoginnen und Eltern bei der Fernseherziehung der Kinder unterstützen. Hier werden unter anderem Programme, für die sich Kinder interessieren, besprochen, theoretisches Hintergrundwissen zum Thema Fernseherziehung angeboten und Medientipps gegeben.

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