Einfluss und Potential von Medien

Wirken sich Medien auf die Entwicklung der Kinder negativ aus oder haben sie – ganz im Gegenteil – vielmehr das Potential Bildungsprozesse zu unterstützen und zu bereichern?

Offenes Buch
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Auch vor den Gefahren, die angeblich von Büchern ausgehen, wurde schon einmal gewarnt.

Die Skepsis vor Unbekanntem

Die Geschichte zeigt, dass wann immer sich neue Medien in der Bevölkerung verbreitet haben, vor deren schlechtem Einfluss gewarnt worden ist. Im 19. Jahrhundert war es das Buch, im letzten Jahrhundert das Fernsehen und heute ist es das Internet, dem negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung nachgesagt werden. So sehen viele Eltern Fernsehinhalte durchaus als pädagogisch wertvoll an, digitalen Medien stehen sie aber eher skeptisch gegenüber oder empfinden sie sogar als gefährlich.

Auch unter PädagogInnen gibt es Unsicherheiten bezüglich des Potentials von Neuen Medien. Medien werden zwar immer mehr in die Bildungsarbeit integriert und die Medienkompetenz als wichtiges Bildungsziel anerkannt. Bei der Frage, wann Medienerziehung beginnen soll und welche Medien den Lernalltag der Kinder bereichern können, gehen die Meinungen jedoch auseinander. So stehen laut der 4. Oberösterreichischen Kinder-Medien-Studie PädagogInnen etwa der wachsenden Verbreitung von Handys und Smartphones unter den Kindern zunehmend kritisch gegenüber. Diese Haltung ist verständlich, gibt es zu diesen neuen Entwicklungen immerhin noch kaum Studien bzw. Richtlinien, an denen man sich orientieren könnte.

Kinderalltag ist Medienalltag

Feststeht, dass Medien schon im frühen Kindesalter Bedeutung haben. Studien zeigen, dass bereits dreimonatige Kinder fernsehen und bis zu einem Viertel der 4-Jährigen bereits den Computer oder Videospiele nutzen.

Auswirkungen, die der Medienkonsum auf die Entwicklung der Kinder hat, können nicht eindeutig bestimmt werden. Das liegt zum einen daran, dass Mediennutzung sehr unterschiedlich ausfallen kann, zum anderen spielen individuelle Faktoren wie Entwicklungsstand und Lebenssituation eine Rolle.

Nicht zu leugnen sind Probleme wie Bewegungsmangel und Übergewicht, die durch eine einseitige Freizeitgestaltung - etwa durch zu langes Sitzen vor dem Fernseher oder dem Computer - entstehen können. Gerade deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit den Kindern Regeln aufzustellen, wann und wie lange diese Medien genutzt werden dürfen und sie daneben auf ein breites Angebot an unterschiedlichen Beschäftigungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Kinder spielen draußen
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"Draußen spielen" und "Freunde treffen" gehören immer noch zu den Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der Kinder.

Vereinsamung vor dem Bildschirm ist eine weitere Gefahr, die im Zusammenhang mit der Mediennutzung häufig genannt wird. Verschiedene Studien nehmen dieser Angst allerdings den Wind aus den Segeln. So zeigen sowohl die miniKIM-Studie 2012 des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) als auch die 4. Oberösterreichische Kinder-Medien-Studie der EduGroup, dass nach wie vor „draußen spielen“ und „Freunde treffen“ zu den Lieblingsfreizeitbeschäftigungen der Kinder zählen. In den Ergebnissen der Studie der EduGroup ist außerdem zu lesen, dass  Kinder zwischen 3 und 10 Jahren das Internet größtenteils gemeinsam mit anderen – seien es die Eltern oder Freunde - nutzen. Kinder spielen gerne mit anderen Kindern – und das gilt auch vor dem Bildschirm. Auf diese Weise werden Medienerlebnisse geteilt und gemeinsam über Medien gesprochen.

Digitale Medien
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Lernen mit bzw. über Medien ist dann möglich, wenn die Medien sinnvoll in den Alltag integriert und die Kinder pädagogisch begleitet werden.

Lernen durch Medien

Genau dieser Aspekt ist ausschlaggebend: Soll Lernen durch Medien stattfinden, muss ein Erwachsener (vor allem PädagogInnen und Eltern) diesen Prozess begleiten. Nur so können Unsicherheiten direkt geklärt, Fragen besprochen und Inhalte verarbeitet werden.

Außerdem ist auch immer ein gewisses Vorwissen nötig, auf das aufgebaut werden kann. So können Kinder auch spezielle Kindersuchmaschinen erst dann selbständig verwenden, wenn sie lesen können. Allerdings kann umgekehrt die Lesekompetenz durch die Informationssuche im Internet gefördert werden.

Damit Kinder Information aber auch erfassen können, muss sie kindgerecht aufgearbeitet sein: Die Kinder müssen sich leicht zurechtfinden können und der Inhalt muss so aufgebaut sein, dass sie diesem leicht folgen und ihn verstehen können.

Werden Medien wie der Computer - oder auch mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets - und das Internet sinnvoll in ein pädagogisches Umfeld eingebettet, haben sie durchaus das Potential das kindliche Lernen zu unterstützen und zu bereichern.

Tipp:

Ideen, wie Sie unterschiedliche Medien  - angefangen vom Buch bis hin zum Tablet - in den Kindergartenalltag sinnvoll integrieren können, finden Sie unter Medienpraxis.


Webtipp:

Die Ergebnisse der 4. Oberösterreichischen Kinder-Medien-Studie der EduGroup und der miniKim-Studie 2012 des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zum Nachlesen.

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